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Praxisübernahme oder Neugründung: Welcher Weg zur eigenen Praxis passt zu dir?

Praxisübernahme oder Neugründung? Beide Wege in die eigene Praxis haben Vor- und Nachteile. Entscheidend sind unter anderem Investitionsbedarf, Standort, Ausstattung, Patientenstamm und persönliche Vorstellungen. Hier erfährst du, worauf du bei der Entscheidung achten solltest.

Das Wichtigste aus diesem Artikel

Der Unterschied zwischen Praxisübernahme und Praxisgründung liegt vor allem bei Gestaltungsspielraum, bestehenden Strukturen und Investitionen. Eine Übernahme kann den Einstieg erleichtern, erfordert aber eine genaue Prüfung der bestehenden Praxis.

Eine Neugründung bietet mehr Gestaltungsmöglichkeiten, bringt aber auch den Aufbau aller Strukturen mit sich. Standort, wirtschaftliches Potenzial und persönliche Vorstellungen sind wichtige Entscheidungskriterien.

Praxisübernahme oder Praxisgründung: Was ist der Unterschied?

Wenn du eine eigene Praxis eröffnen möchtest, stehen grundsätzlich zwei Wege offen: Du kannst eine bestehende Praxis übernehmen oder eine neue Praxis gründen. Welche Variante besser passt, hängt von deinen persönlichen Vorstellungen und den Rahmenbedingungen ab.

Bei einer Praxisübernahme bestehen viele Strukturen bereits. Dazu können die Räumlichkeiten, die Ausstattung, das Praxisteam und ein bestehender Patientenstamm gehören. Bei einer Neugründung musst du diese Strukturen dagegen selbst aufbauen.

Auch der Gestaltungsspielraum unterscheidet sich. Bei einer Neugründung kannst du Standort, Räumlichkeiten, Ausstattung und Praxiskonzept weitgehend selbst bestimmen. Bei einer Übernahme solltest du prüfen, ob die vorhandenen Strukturen zu deinen Vorstellungen passen.

Eine Praxisneugründung ist außerdem nicht in jedem Fall möglich aufgrund bestehender Zulassungsbeschränkungen. Dann kann die Übernahme einer bereits zugelassenen Praxis in bestimmten Gebieten eine Option sein.

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Praxisübernahme: Vor- und Nachteile

Der größte Vorteil einer Praxisübernahme liegt in den vorhandenen Strukturen. Du kannst unter Umständen auf einen etablierten Patientenstamm, ein eingespieltes Team und vorhandene Räumlichkeiten zurückgreifen.

Dadurch können einige Aufgaben entfallen, die bei einer Neugründung erst anstehen. Gleichzeitig übernimmst du bestehende Abläufe und Strukturen, die nicht zwangsläufig deinen Vorstellungen entsprechen.

Auch die wirtschaftliche Entwicklung der Praxis solltest du genau betrachten. Ein bestehender Patientenstamm bedeutet nicht automatisch, dass Umsatz und Ertrag nach dem Inhaberwechsel unverändert bleiben.

Patient:innen können auf einen Wechsel unterschiedlich reagieren. Deshalb solltest du auch berücksichtigen, wie stark die bestehende Kundschaft an die bisherigen Inhaber:innen gebunden ist.

Eine Übernahme kann außerdem Investitionen erforderlich machen. Dazu gehören beispielsweise Modernisierungen der Räume oder der Austausch veralteter Ausstattung.

Praxisübernahme: Das musst du prüfen

Eine fundierte Praxisanalyse sollte mindestens folgende Themen abdecken:

  1. Ertragslage der vergangenen Jahre: Wie haben sich Umsatz, Kosten und Gewinn entwickelt? Gab es Sondereffekte, etwa durch längere Krankheit, Personalmangel oder einen Rückgang der Fallzahlen?
  2. Abrechnungsstruktur und Leistungsprofil: Ist die Praxis stark von einzelnen Leistungen, Privatpatient:innen, Zuweiser:innen oder einem bestimmten Mitarbeitenden abhängig? Wie stabil ist die Nachfrage?
  3. Kaufpreis und Praxiswert: Der Kaufpreis sollte nachvollziehbar zwischen materiellem Wert – etwa Geräten, Einrichtung und Warenbestand – und immateriellem Wert, beispielsweise Lage, Reputation und Ertragskraft, aufgeschlüsselt sein.
  4. Modernisierungs- und Ersatzinvestitionen: Müssen Geräte, Software, Möbel, Räume oder Hygienestandards kurzfristig erneuert werden? Besonders bei Medizintechnik können hohe Folgekosten entstehen.
  5. Mietvertrag und Immobilie: Wie lange läuft der Mietvertrag? Gibt es Verlängerungsoptionen? Ist eine Mieterhöhung vorgesehen? Stimmt der Vermieter einer Vertragsübernahme zu?
  6. Personal und Organisation: Wie hoch ist die Fluktuation? Welche Aufgaben und Kompetenzen liegen bei welchen Mitarbeitenden? Gibt es qualifiziertes Praxismanagement?
  7. Datenschutz und Patientenakten: Patientendaten unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und datenschutzrechtlichen Vorgaben. Die Übergabe von Akten muss rechtlich sauber organisiert werden. Behandlungsunterlagen musst du grundsätzlich zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung aufbewahren.
  8. Übergabekonzept: Bleibt die abgebende Person für eine Übergangszeit in der Praxis tätig? Eine klar geregelte Übergabe kann die Bindung von Team und Patient:innen erleichtern.

Praxisgründung: Vor- und Nachteile

Eine Neugründung bietet dir vor allem einen hohen Gestaltungsspielraum. Du kannst das medizinische und wirtschaftliche Konzept deiner Praxis von Anfang an nach deinen eigenen Vorstellungen entwickeln.

Das betrifft unter anderem die Wahl des Standorts, die Gestaltung der Räume, die technische Ausstattung und die Organisation des Praxisbetriebs. Auch bei der Auswahl und Zusammensetzung des Teams hast du mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Dem stehen höhere organisatorische Anforderungen gegenüber. Bei einer Neugründung müssen Strukturen aufgebaut werden, die bei einer Übernahme bereits vorhanden sein können. Auch der Patientenstamm muss sich zunächst entwickeln. Das kann insbesondere in der Anfangsphase eine wirtschaftliche Herausforderung darstellen und sollte bei der Finanzplanung berücksichtigt werden.

Ob eine Neugründung tatsächlich die bessere Option ist, hängt deshalb nicht allein vom persönlichen Gestaltungsspielraum ab. Auch die finanziellen Möglichkeiten und die Situation am gewünschten Standort spielen eine wichtige Rolle.

Diese Punkte gehören in die Planung einer Praxisgründung

Eine Praxisgründung erfordert eine realistische Planung von Zulassung, Standort, Finanzierung und Organisation. 

  1. Zulassung und rechtliche Voraussetzungen: Ist eine Niederlassung am gewünschten Standort möglich? Kläre frühzeitig mit der zuständigen Kassenärztlichen oder Kassenzahnärztlichen Vereinigung Zulassung, Bedarfsplanung und notwendige Genehmigungen.
  2. Standort und Nachfrage: Wie groß ist der Versorgungsbedarf im Einzugsgebiet? Berücksichtige Demografie, Wettbewerb, Erreichbarkeit, Parkmöglichkeiten und die Nähe zu Kliniken oder Pflegeeinrichtungen.
  3. Businessplan und Liquidität: Plane Umsätze, laufende Kosten und Liquidität für mindestens die ersten drei Jahre. Wichtig sind ausreichende Reserven für eine längere Anlaufphase oder unerwartete Ausgaben.
  4. Investitionen und Finanzierung: Kalkuliere Umbau, Einrichtung, Medizintechnik, IT, Praxissoftware, Beratung und Versicherungen. Vergleiche Finanzierungsangebote nicht nur nach Zins, sondern auch nach Laufzeit und Tilgungsbedingungen.
  5. Räume und Mietvertrag: Prüfe, ob Größe, Grundriss und Ausstattung der Räume zum geplanten Leistungsangebot passen. Achte auf Barrierefreiheit, Hygienevorgaben, Vertragslaufzeit, Verlängerungsoptionen und mögliche Mieterhöhungen.
  6. Leistungsangebot und Positionierung: Definiere, welche Leistungen deine Praxis anbietet und wie sie sich am Standort positioniert. Spezialisierungen oder Zusatzangebote sollten medizinisch sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig sein.
  7. Personal und Abläufe: Plane frühzeitig, welche Mitarbeitenden du benötigst und wie Anmeldung, Terminvergabe, Abrechnung und Dokumentation organisiert sind.
  8. IT, Datenschutz und Versicherungen: Praxissoftware, Telematikinfrastruktur und Datenschutzkonzept sollten vor der Eröffnung stehen. Prüfe außerdem deine Berufshaftpflicht sowie gegebenenfalls Inhalts-, Betriebsunterbrechungs- und Cyberversicherung.
  9. Eröffnung und Patientengewinnung: Sorge für eine gute Auffindbarkeit – etwa durch eine Website, Einträge in Arztsuchen und digitale Terminbuchung. Beachte dabei die berufsrechtlichen Vorgaben für ärztliche Werbung.

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Praxisübernahme oder Praxisgründung: Welche Kosten entstehen?

Die Kosten lassen sich nicht pauschal für eine Praxisübernahme oder eine Neugründung bestimmen. Entscheidend sind unter anderem Fachrichtung, Standort, Größe und Ausstattung der Praxis.

Bei einer Übernahme kann ein Kaufpreis für die bestehende Praxis anfallen. Zusätzlich können Investitionen notwendig sein, wenn Räume, Medizintechnik, Einrichtung oder IT modernisiert oder erweitert werden müssen.

Bei einer Neugründung entstehen dagegen Kosten für den Aufbau der Praxis. Dazu können unter anderem Ausgaben für Räumlichkeiten, Einrichtung, technische Ausstattung und weitere Infrastruktur gehören.

In beiden Fällen solltest du neben den einmaligen Investitionen auch die laufenden Betriebskosten berücksichtigen. Dazu zählen beispielsweise Personalkosten, Miete, Versicherungen und weitere Ausgaben des Praxisbetriebs.

Eine realistische Finanzplanung sollte deshalb nicht nur die Kosten zum Start betrachten. Auch die erwartete Entwicklung von Umsatz, Ausgaben und Liquidität gehört in die Planung.

Gut vorbereitet in die eigene Praxis starten

Unabhängig davon, ob du eine Praxis gründest oder übernimmst, solltest du deine Entscheidung sorgfältig vorbereiten. Seminare und Beratungsangebote für Existenzgründer:innen können dabei helfen, die eigenen Pläne zu überprüfen.

Auch der Austausch mit erfahrenen Praxisinhaber:innen kann wertvolle Einblicke liefern. So lassen sich wirtschaftliche, organisatorische und personelle Fragen frühzeitig erkennen und in die Planung einbeziehen.

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