Kurz erklärt: Was ist ein Franchiseunternehmen?

Alles Wichtige auf einen Blick
Franchising ist eine Partnerschaft zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer:innen, bei der die Marke und das Geschäftskonzept des Franchisegebers gegen Gebühren genutzt werden. Der Franchisevertrag legt die rechtliche Grundlage der Partnerschaft fest und enthält die Pflichten und Verantwortlichkeiten beider Parteien.
Die Gründung eines Franchiseunternehmens erfordert sorgfältige Vorbereitung, Kapital und persönliches Engagement. Franchising kann eine Möglichkeit für Unternehmen sein, zu expandieren und den Einstieg in die Geschäftswelt zu erleichtern.
Beim Franchising arbeitet ein Unternehmen mit rechtlich selbstständigen Partnerbetrieben zusammen, die das Geschäftsmodell an eigenen Standorten umsetzen. Daraus entsteht eine Partnerschaft zwischen einem Franchisesystem und seinen Franchisepartnern, auch Franchisegeber und Franchisenehmer:innen genannt.
Franchisenehmer:innen zahlen dem Franchisegeber Gebühren für die Nutzung von dessen Marke und Geschäftskonzept. Im Gegenzug dürfen sie selbstständig Geschäfte betreiben. Ein Franchisesystem basiert darauf, dass der Franchisegeber Prozesse standardisiert und ein einheitliches Geschäftsmodell für verschiedene Standorte vorgibt.
Beide Seiten treten unter einem Markennamen auf, so erkennen Kund:innen das Unternehmen wieder, häufig weltweit. Dabei nutzen die Einzelhändler:innen das gleiche Know-how und das gleiche Angebot an verschiedenen Standorten.
Franchisegeber und Franchisenehmer:innen sind also rechtlich selbstständige Unternehmen, die gemeinsam eine wirtschaftliche Expansion anstreben. Oft übernimmt der Franchisegeber dabei eher zentralisierte Aufgaben, während Franchisenehmer:innen kundennahe Aufgaben erfüllen.
Die Historie von Franchise
1892 prägte Coca-Cola unser heutiges Verständnis von Franchise, indem das Unternehmen die Getränkeproduktion gegen Lizenzgebühren externen Produzenten überließ.
Für erfolgreiche Franchiseunternehmen gibt es zahlreiche Beispiele aus der Gastronomie: McDonald’s, Subway, Burger King, KFC, Starbucks, Dunkin’ Donuts. Diese machen den Hauptteil weltweit bekannter Franchiseunternehmen aus, doch es gibt ebenso erfolgreiche Modelle in anderen Branchen, zum Beispiel:
- Immobilienmakler wie Engel & Völkers oder von Poll Immobilien
- Beauty und Fitness, beispielsweise CleverFit, Mrs.Sporty, Sunpoint
- Einzel- und Fachhandel: Das Futterhaus, TeeGschwendner, Triumph, vomFASS, Zoo & Co.
- Bildung: Schülerhilfe und Studienkreis
- Logistik: Mail Boxes Etc.
- Hotellerie: Hilton-Hotels
Überlegst du, in ein Franchisesystem einzusteigen, solltest du die Vorteile und Herausforderungen sorgfältig abwägen:
- Bewährtes Geschäftsmodell: Franchisenehmer:innen profitieren von einem bereits erprobten Konzept mit nachgewiesener Erfolgsgeschichte.
- Starke Marke: Die Markenbekanntheit erleichtert die Kundengewinnung von Beginn an.
- Umfassende Unterstützung: Von der Standortwahl bis zum Marketing erhalten Franchisenehmer:innen professionelle Hilfe.
- Einkaufsvorteile: Durch die Größe des Netzwerks können bessere Konditionen bei Lieferanten erzielt werden.
- Geringeres Risiko: Ein erprobtes Geschäftsmodell und etablierte Prozesse können das unternehmerische Risiko im Vergleich zu einer freien Neugründung verringern.
- Hohe Anfangsinvestitionen: Einstiegsgebühren und Investitionen in den Standort können beträchtlich sein.
- Laufende Gebühren: Ein Teil des Umsatzes geht regelmäßig an den Franchisegeber.
- Eingeschränkte Entscheidungsfreiheit: Das Konzept des Franchisegebers lässt oft wenig Raum für kreative Eigeninitiative.
- Abhängigkeit vom System: Ein schlechtes Image oder wirtschaftliche Probleme des Franchisegebers können sich auf alle Partner auswirken.
- Langfristige Vertragsbindung: Franchiseverträge haben meist Laufzeiten zwischen 5 und 20 Jahre.
Herzstück eines Franchisesystems ist der Franchisevertrag. Er sollte individuell an das jeweilige Franchisesystem angepasst sein und die Pflichten und Verantwortlichkeiten beider Parteien sowie andere wesentliche Vertragsbedingungen eindeutig festlegen.
Damit bildet der Franchisevertrag die rechtliche Grundlage für eine erfolgreiche und faire Zusammenarbeit im Rahmen des Franchisesystems. Der Vertrag klärt beiderseitige Erwartungen und Verpflichtungen.
Der Franchisegeber hat außerdem eine vorvertragliche Aufklärungspflicht. Er darf den potenziellen Franchisenehmer:innen nicht durch irreführende Behauptungen täuschen und muss alle relevanten Fakten offenlegen. Dazu gehört die Beantwortung konkreter Fragen der Franchisenehmer:innen.
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Der Deutsche Franchiseverband hat einen Ethikkodex für Franchisesysteme erstellt. Mitglieder sind verpflichtet, nach diesem Kodex zu handeln. Typischerweise regelt ein Franchisevertrag dementsprechend unter anderem folgende Punkte:
- Rechte und Pflichten des Franchisegebers
- Rechte, Pflichten und Zahlungsverpflichtungen der Franchisenehmer:innen
- Waren und/oder Dienstleistungen, die den Franchisenehmer:innen zur Verfügung zu stellen sind
- Vertragsdauer
- Grundlage zur Vertragsverlängerung
- Verkaufs- oder Übertragungsbedingungen für die Franchisenehmer:innen sowie mögliche Vorkaufsrechte des Franchisegebers
- Bestimmungen zum Gebrauch der typischen Corporate Identity des Franchisegebers (etwa Kennzeichnungen, Firmenname, Ladenschild, Logos)
- Recht des Franchisegebers zur Anpassung des Franchisesystems an neue oder geänderte Verhältnisse
- Regelungen zur Vertragsbeendigung
- Bestimmungen zur Rückgabe des Eigentums des Franchisegebers nach Vertragsende
Quick-Info
Will ein Unternehmen expandieren, kann es neben einem Franchiseunternehmen auch ein Tochterunternehmen oder eine Niederlassung gründen. Der Hauptunterschied liegt in der Art der Geschäftsbeziehung und der Kontrolle:
- Eine Niederlassung ist eine Erweiterung des Hauptunternehmens, bei der die Niederlassungsleiter:innen zwar gewisse Befugnisse haben, die Kontrolle aber weiterhin bei der Geschäftsführung liegen.
- Eine Tochtergesellschaft ist weitgehend autonom. Sie wird von einer eigenen Geschäftsführung geleitet und ist nur über das Beteiligungsverhältnis mit dem Mutterunternehmen verbunden. Die Verantwortung entspricht jener zwischen Gesellschafter:innen und ihrer Gesellschaft.
- Ein Franchiseunternehmen ist rechtlich selbstständig, orientiert sich im operativen Geschäft jedoch an den Vorgaben des Franchisegebers. Die Franchisenehmer:innen haben die Rechte zur Nutzung einer Marke und eines Geschäftskonzepts erworben und sind für die Geschäftsführung verantwortlich. Der Franchisegeber hingegen bietet Unterstützung und Schulungen.
Der Weg zum erfolgreichen Franchiseunternehmen lässt sich in mehrere Phasen unterteilen. Eine sorgfältige Vorbereitung ist dabei entscheidend für den späteren Erfolg.
1. Selbstanalyse
- Eigene Fähigkeiten, Interessen und unternehmerische Stärken reflektieren
- Finanziellen Spielraum und verfügbares Eigenkapital evaluieren
- Prüfen, ob das Franchisemodell mit eingeschränkter Entscheidungsfreiheit zum eigenen Unternehmertypus passt
2. Systemrecherche und -analyse
- Passende Branchen nach persönlichen Neigungen und Marktpotenzial auswählen
- Franchisemessen und Online-Portale zur Recherche nutzen
- Informationsmaterial von mindestens drei Anbietern anfordern und vergleichen
- Mit bestehenden Franchisenehmer:innen des Systems sprechen, um Erfahrungen aus erster Hand zu erhalten
3. Business-Plan und Finanzierung
- Einen detaillierten Business-Plan mit Standortanalyse, Umsatz- und Kostenprognosen erstellen
- Gesamtinvestition und Kapitalbedarf ermitteln
- Finanzierungsgespräche mit Banken führen und Fördermöglichkeiten prüfen (etwa KfW-Kredite)
4. Vertragsprüfung und -abschluss
- Den Franchisevertrag von einem auf Franchiserecht spezialisierten Anwalt prüfen lassen
- Alle offenen Fragen mit dem Franchisegeber klären und bei Bedarf nachverhandeln
- Nach erfolgreicher Prüfung den Vertrag unterzeichnen
5. Gründung und Eröffnung
- Die passende Rechtsform für das Unternehmen festlegen und gründen
- Geschäftsräume finden, anmieten und gemäß Systemvorgaben gestalten
- An den Erstschulungen des Franchisegebers teilnehmen
- Personal einstellen und schulen
- Marketingmaßnahmen für die Eröffnung planen und umsetzen
Tipp: Am besten lassen Gründer:innen den Franchisevertrag vor der Unterzeichnung von einem Anwaltsbüro prüfen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.
Franchising verbindet die Stärke einer etablierten Marke mit dem unternehmerischen Engagement selbstständiger Partnerbetriebe. Der Franchisevertrag regelt die Rechte und Pflichten beider Seiten und bildet damit die Grundlage der Zusammenarbeit.
Möchtest du ein Franchiseunternehmen gründen, solltest du System, Vertrag und Wirtschaftlichkeit sorgfältig prüfen. Dann kann Franchising den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern und zugleich neue Wachstumschancen eröffnen.
Der Schritt in die Selbstständigkeit ist oft mit zahlreichen Investitionen verbunden. Eine nette Nebensache dabei: Mit den Business Karten von American Express sammelst du bei geschäftlichen Ausgaben Punkte im Bonusprogramm Membership Rewards®, die du flexibel für ausgewählte Prämien einsetzen kannst.*
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Wie funktioniert ein Franchiseunternehmen?Bei einem Franchiseunternehmen erwerben Franchisenehmer:innen das Recht, Produkte, Dienstleistungen und/oder die Marke eines Franchisegebers zu nutzen und ihr Geschäft nach dessen Konzept und Standards zu betreiben. So kann der Franchisegeber expandieren und die Franchisenehmer:innen können eine erprobte Geschäftsidee nutzen.+
Was sind Beispiele für Franchiseunternehmen?Bekannte Franchiseunternehmen sind McDonald’s, Starbucks, CleverFit, Hilton-Hotels und TeeGschwendner.+
Was steht in einem Franchisevertrag?Ein Franchisevertrag regelt die Rechte und Pflichten von Franchisegeber und Franchisenehmer:innen. Dazu gehören unter anderem Gebühren, Vertragslaufzeit, Nutzungsrechte an der Marke, Schulungen, Qualitätsstandards sowie Regelungen zur Vertragsverlängerung oder -beendigung.