
Kurz erklärt: Was ist ein Franchiseunternehmen?
Ein erfolgreiches Unternehmen hat für eine Expansion verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist das Franchising: Der Franchisegeber profitiert von kosteneffizientem Wachstum, der Franchisenehmer von der Nutzung eines erprobten Konzepts. Was Franchiseunternehmen genau sind und wie sie funktionieren, erklärt dieser Beitrag.
Das Wichtigste aus diesem Artikel
- Grundlagen des Franchising: Franchising ist eine Partnerschaft zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer:innen, bei der die Marke und das Geschäftskonzept des Franchisegebers gegen Gebühren genutzt werden.
- Franchisevertrag: Der Franchisevertrag legt die rechtliche Grundlage der Partnerschaft fest und enthält die Pflichten und Verantwortlichkeiten beider Parteien.
- Kernelemente eines Franchisevertrags: Der Vertrag sollte u.a. Rechte und Pflichten, Vertragsdauer, Bedingungen für Verkauf oder Übertragung und Regelungen zur Vertragsbeendigung enthalten.
- Franchisegründung: Die Gründung eines Franchiseunternehmens erfordert sorgfältige Vorbereitung, Kapital und persönliches Engagement.
- Franchising als Expansionschance: Franchising kann eine Möglichkeit für Unternehmen sein, zu expandieren und den Einstieg in die Geschäftswelt zu erleichtern.
Beim Franchising lässt ein Unternehmen seine Produkte durch Einzelhändler in Lizenz verkaufen. Dieses Geschäftsmodell beruht auf einer Partnerschaft zwischen einem Franchisesystem und seinen Franchisepartnern, auch Franchisegeber und Franchisenehmer:innen genannt.
Franchisenehmer:innen zahlen dem Franchisegeber Gebühren für die Nutzung von dessen Marke und Geschäftskonzept. Im Gegenzug dürfen sie damit selbstständig Geschäfte betreiben. Ein Franchisesystem funktioniert durch die Standardisierung und Vereinfachung der Geschäftsprozesse durch den Franchisegeber.
Beide Seiten treten unter einem Markennamen auf, so erkennen Kund:innen das Unternehmen wieder, häufig weltweit. Dabei nutzen die Einzelhändler:innen das gleiche Know-how und das gleiche Angebot an verschiedenen Standorten.
Franchisegeber und Franchisenehmer:innen sind also rechtlich selbstständige Unternehmen, die gemeinsam eine wirtschaftliche Expansion anstreben. Oft übernimmt der Franchisegeber dabei eher zentralisierte Aufgaben, während Franchisenehmer:innen kundennahe Aufgaben erfüllen.
Funfact
Mit Coca-Cola fing es an: 1892 prägte das Unternehmen unser heutiges Verständnis von Franchise, indem es die Getränkeproduktion gegen Lizenzgebühren externen Produzenten überließ.
Für erfolgreiche Franchiseunternehmen gibt es zahlreiche Beispiele aus der Gastronomie: McDonald’s, Subway, Burger King, KFC, Starbucks, Dunkin’ Donuts. Diese machen den Hauptteil weltweit bekannter Franchiseunternehmen aus, doch es gibt ebenso erfolgreiche Modelle in anderen Branchen, zum Beispiel:
- Immobilienmakler wie Engel & Völkers oder von Poll Immobilien
- Beauty und Fitness, beispielsweise CleverFit, Mrs.Sporty, Sunpoint
- Einzel- und Fachhandel: Das Futterhaus, TeeGschwendner, Triumph, vomFASS, Zoo & Co.
- Bildung: Schülerhilfe und Studienkreis
- Logistik: Mail Boxes Etc.
- Hotellerie: Hilton-Hotels
Wer überlegt, in ein Franchisesystem einzusteigen, sollte die Vorteile und Herausforderungen sorgfältig abwägen:
- Bewährtes Geschäftsmodell: Sie profitieren von einem bereits erprobten Konzept mit nachgewiesener Erfolgsgeschichte.
- Starke Marke: Die Markenbekanntheit erleichtert die Kundengewinnung von Beginn an.
- Umfassende Unterstützung: Von der Standortwahl bis zum Marketing erhalten Sie professionelle Hilfe.
- Einkaufsvorteile: Durch die Größe des Netzwerks können bessere Konditionen bei Lieferanten erzielt werden.
- Geringeres Risiko: Die Überlebensrate von Franchiseunternehmen ist deutlich höher als bei klassischen Neugründungen.
- Hohe Anfangsinvestitionen: Einstiegsgebühren und Investitionen in den Standort können beträchtlich sein.
- Laufende Gebühren: Ein Teil des Umsatzes geht regelmäßig an den Franchisegeber.
- Eingeschränkte Entscheidungsfreiheit: Das Konzept des Franchisegebers lässt oft wenig Raum für kreative Eigeninitiative.
- Abhängigkeit vom System: Ein schlechtes Image oder wirtschaftliche Probleme des Franchisegebers können sich auf alle Partner auswirken.
- Langfristige Vertragsbindung: Franchiseverträge haben meist Laufzeiten von 5 bis 20 Jahren.
Herzstück eines Franchisesystems ist der Franchisevertrag. Er sollte individuell an das jeweilige Franchisesystem angepasst sein und die Pflichten und Verantwortlichkeiten beider Parteien sowie andere wesentliche Vertragsbedingungen eindeutig festlegen.
Damit bildet der Franchisevertrag die rechtliche Grundlage der Partnerschaft und dient der Klärung beiderseitiger Erwartungen und Verpflichtungen. So kann es eine erfolgreiche und faire Zusammenarbeit im Rahmen des Franchisesystems geben.
Der Franchisegeber hat außerdem eine vorvertragliche Aufklärungspflicht. Er darf den potenziellen Franchisenehmer:innen nicht durch irreführende Behauptungen täuschen und muss alle relevanten Fakten offenlegen. Dazu gehört die Beantwortung konkreter Fragen der Franchisenehmer:innen.
Der Deutsche Franchiseverband hat einen Ethikkodex für Franchisesysteme erstellt. Mitglieder sind verpflichtet, nach diesem Kodex zu handeln. Entsprechend müssen folgende Vertragsbedingungen unbedingt im Franchisevertrag enthalten sein:
- Rechte und Pflichten des Franchisegebers
- Rechte, Pflichten und Zahlungsverpflichtungen der Franchisenehmer:innen
- Waren und/oder Dienstleistungen, die den Franchisenehmer:innen zur Verfügung zu stellen sind
- Vertragsdauer
- Grundlage zur Vertragsverlängerung
- Verkaufs- oder Übertragungsbedingungen für die Franchisenehmer:innen sowie mögliche Vorkaufsrechte des Franchisegebers
- Bestimmungen zum Gebrauch der typischen Corporate Identity des Franchisegebers (Kennzeichnungen, Firmenname, Ladenschild, Logos etc.)
- Recht des Franchisegebers zur Anpassung des Franchisesystems an neue oder geänderte Verhältnisse
- Regelungen zur Vertragsbeendigung
- Bestimmungen zur Rückgabe des Eigentums des Franchisegebers nach Vertragsende
Quick-Info
Will ein Unternehmen expandieren, kann es neben einem Franchiseunternehmen auch ein Tochterunternehmen oder eine Niederlassung in Betracht ziehen. Der Hauptunterschied liegt in der Art der Geschäftsbeziehung und der Kontrolle.
- Eine Niederlassung ist eine Erweiterung des Hauptunternehmens, bei der der Niederlassungsleiter zwar gewisse Befugnisse hat, die Kontrolle aber weiterhin bei der Geschäftsführung liegt.
- Eine Tochtergesellschaft ist weitgehend autonom. Sie wird von einer eigenen Geschäftsführung geleitet und ist nur über das Beteiligungsverhältnis mit dem Mutterunternehmen verbunden. Die Verantwortung entspricht jener zwischen Gesellschaftern und ihrer Gesellschaft.
- Ein Franchiseunternehmen schließlich ist im Hinblick auf Kontrolle unabhängig. Der Franchisenehmer hat die Rechte zur Nutzung einer Marke und eines Geschäftskonzepts erworben und ist für die Geschäftsführung verantwortlich. Der Franchisegeber hingegen bietet Unterstützung und Schulungen.
Der Weg zum erfolgreichen Franchiseunternehmen lässt sich in mehrere Phasen unterteilen. Eine sorgfältige Vorbereitung ist dabei entscheidend für den späteren Erfolg.
- Selbstanalyse
- Eigene Fähigkeiten, Interessen und unternehmerische Stärken reflektieren.
- Finanziellen Spielraum und verfügbares Eigenkapital evaluieren.
- Prüfen, ob das Franchising-Modell mit eingeschränkter Entscheidungsfreiheit zum eigenen Unternehmertypus passt.
- Systemrecherche & -analyse
- Passende Branchen nach persönlichen Neigungen und Marktpotenzial auswählen.
- Franchisemessen und Onlineportale zur Recherche nutzen.
- Informationsmaterial von mindestens drei Anbietern anfordern und vergleichen.
- Mit bestehenden Franchisenehmer:innen des Systems sprechen, um Erfahrungen aus erster Hand zu erhalten.
- Businessplan & Finanzierung
- Einen detaillierten Businessplan mit Standortanalyse, Umsatz- und Kostenprognosen erstellen.
- Gesamtinvestition und Kapitalbedarf ermitteln.
- Finanzierungsgespräche mit Banken führen und Fördermöglichkeiten (z. B. KfW-Kredite) prüfen.
- Vertragsprüfung & -abschluss
- Den Franchisevertrag von einem auf Franchiserecht spezialisierten Anwalt prüfen lassen.
- Alle offenen Fragen mit dem Franchisegeber klären und ggf. nachverhandeln.
- Nach erfolgreicher Prüfung den Vertrag unterzeichnen.
- Gründung & Eröffnung
- Die passende Rechtsform für das Unternehmen festlegen und gründen.
- Geschäftsräume finden, anmieten und gemäß Systemvorgaben gestalten.
- An den Erstschulungen des Franchisegebers teilnehmen.
- Personal einstellen und schulen.
- Marketingmaßnahmen für die Eröffnung planen und umsetzen.
Tipp: Am besten lassen Gründer:innen den Franchisevertrag vor der Unterzeichnung von einem Anwalt prüfen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.
Franchising ist eine Geschäftsmethode, bei der ein Franchisegeber gegen Gebühren sein Geschäftskonzept, seine Marke und sein Know-how von Franchisenehmer:innen nutzen lässt. Der Franchisevertrag regelt die Rechte und Pflichten beider Parteien.
Zur Gründung eines Franchiseunternehmens sind eine sorgfältige Auswahl des Franchisegebers, unternehmerische Fähigkeiten und ausreichende finanzielle Ressourcen nötig. Ein erfolgreiches Franchise mit einer starken Partnerschaft kann den Einstieg in die Geschäftswelt erleichtern.
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Wie funktioniert ein Franchiseunternehmen?Bei einem Franchiseunternehmen haben die Franchisenehmer:innen die Lizenz an Produkten, Dienstleistungen und/oder Marke eines Franchisegebers erworben, um diese unter dessen Namen und Leitung zu betreiben. Beide Seiten profitieren, denn der Franchisegeber expandiert und die Franchisenehmer:innen können eine erprobte Geschäftsidee nutzen.
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Was sind Beispiele für Franchiseunternehmen?Bekannte Franchiseunternehmen sind McDonald’s, Starbucks, CleverFit, Hilton-Hotels und TeeGschwendner.