Eine junge lächelnde Frau mit Visor Cap und Hygienehandschuhen greift mit einer Greifzange nach einer Backware in einer Auslange im Thekenbereich. © Drazen Zigic/iStock
Im Franchise betreibst du dein eigenes Geschäft nach dem bewährten Konzept einer bekannten Marke.
Business

Kurz erklärt: Was ist ein Franchiseunternehmen?

Ein erfolgreiches Unternehmen hat für eine Expansion verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist das Franchising: Der Franchisegeber profitiert von kosteneffizientem Wachstum, der Franchisenehmer von der Nutzung eines erprobten Konzepts. Was Franchiseunternehmen genau sind und wie sie funktionieren, erklärt dieser Beitrag.

Das Wichtigste aus diesem Artikel

  • Grundlagen des Franchising: Franchising ist eine Partnerschaft zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer:innen, bei der die Marke und das Geschäftskonzept des Franchisegebers gegen Gebühren genutzt werden.
  • Franchisevertrag: Der Franchisevertrag legt die rechtliche Grundlage der Partnerschaft fest und enthält die Pflichten und Verantwortlichkeiten beider Parteien.
  • Kernelemente eines Franchisevertrags: Der Vertrag sollte u. a. Rechte und Pflichten, Vertragsdauer, Bedingungen für Verkauf oder Übertragung und Regelungen zur Vertragsbeendigung enthalten.
  • Franchisegründung: Die Gründung eines Franchiseunternehmens erfordert sorgfältige Vorbereitung, Kapital und persönliches Engagement.
  • Franchising als Expansionschance: Franchising kann eine Möglichkeit für Unternehmen sein, zu expandieren und den Einstieg in die Geschäftswelt zu erleichtern.

Die Grundlagen des Franchising

Beim Franchising arbeitet ein Unternehmen mit rechtlich selbstständigen Partnerbetrieben zusammen, die sein Geschäftsmodell an eigenen Standorten umsetzen. Daraus entsteht eine Partnerschaft zwischen einem Franchisesystem und seinen Franchisepartnern, auch Franchisegeber und Franchisenehmer:innen genannt.

Franchisenehmer:innen zahlen dem Franchisegeber Gebühren für die Nutzung von dessen Marke und Geschäftskonzept. Im Gegenzug dürfen sie damit selbstständig Geschäfte betreiben. Ein Franchisesystem basiert darauf, dass der Franchisegeber Prozesse standardisiert und ein einheitliches Geschäftsmodell für verschiedene Standorte vorgibt.

Beide Seiten treten unter einem Markennamen auf, so erkennen Kund:innen das Unternehmen wieder, häufig weltweit. Dabei nutzen die Einzelhändler:innen das gleiche Know-how und das gleiche Angebot an verschiedenen Standorten.

Franchisegeber und Franchisenehmer:innen sind also rechtlich selbstständige Unternehmen, die gemeinsam eine wirtschaftliche Expansion anstreben. Oft übernimmt der Franchisegeber dabei eher zentralisierte Aufgaben, während Franchisenehmer:innen kundennahe Aufgaben erfüllen.

Funfact

1892 prägte Coca-Cola unser heutiges Verständnis von Franchise, indem das Unternehmen die Getränkeproduktion gegen Lizenzgebühren externen Produzenten überließ.

Für erfolgreiche Franchiseunternehmen gibt es zahlreiche Beispiele aus der Gastronomie: McDonald’s, Subway, Burger King, KFC, Starbucks, Dunkin’ Donuts. Diese machen den Hauptteil weltweit bekannter Franchiseunternehmen aus, doch es gibt ebenso erfolgreiche Modelle in anderen Branchen, zum Beispiel:

  • Immobilienmakler wie Engel & Völkers oder von Poll Immobilien
  • Beauty und Fitness, beispielsweise CleverFit, Mrs.Sporty, Sunpoint
  • Einzel- und Fachhandel: Das Futterhaus, TeeGschwendner, Triumph, vomFASS, Zoo & Co.
  • Bildung: Schülerhilfe und Studienkreis
  • Logistik: Mail Boxes Etc.
  • Hotellerie: Hilton-Hotels

Wer überlegt, in ein Franchisesystem einzusteigen, sollte die Vorteile und Herausforderungen sorgfältig abwägen:

Vorteile des Franchisings:

  • Bewährtes Geschäftsmodell: Franchisenehmer:innen profitieren von einem bereits erprobten Konzept mit nachgewiesener Erfolgsgeschichte.
  • Starke Marke: Die Markenbekanntheit erleichtert die Kundengewinnung von Beginn an.
  • Umfassende Unterstützung: Von der Standortwahl bis zum Marketing erhalten Franchisenehmer:innen professionelle Hilfe.
  • Einkaufsvorteile: Durch die Größe des Netzwerks können bessere Konditionen bei Lieferanten erzielt werden.
  • Geringeres Risiko: Ein erprobtes Geschäftsmodell und etablierte Prozesse können das unternehmerische Risiko im Vergleich zu einer freien Neugründung verringern.

Herausforderungen des Franchisings:

  • Hohe Anfangsinvestitionen: Einstiegsgebühren und Investitionen in den Standort können beträchtlich sein.
  • Laufende Gebühren: Ein Teil des Umsatzes geht regelmäßig an den Franchisegeber.
  • Eingeschränkte Entscheidungsfreiheit: Das Konzept des Franchisegebers lässt oft wenig Raum für kreative Eigeninitiative.
  • Abhängigkeit vom System: Ein schlechtes Image oder wirtschaftliche Probleme des Franchisegebers können sich auf alle Partner auswirken.
  • Langfristige Vertragsbindung: Franchiseverträge haben meist Laufzeiten von 5 bis 20 Jahren.

Wissenswertes zum Franchisevertrag

Herzstück eines Franchisesystems ist der Franchisevertrag. Er sollte individuell an das jeweilige Franchisesystem angepasst sein und die Pflichten und Verantwortlichkeiten beider Parteien sowie andere wesentliche Vertragsbedingungen eindeutig festlegen.

Damit bildet der Franchisevertrag die rechtliche Grundlage der Partnerschaft und dient der Klärung beiderseitiger Erwartungen und Verpflichtungen. So kann es eine erfolgreiche und faire Zusammenarbeit im Rahmen des Franchisesystems geben.

Der Franchisegeber hat außerdem eine vorvertragliche Aufklärungspflicht. Er darf den potenziellen Franchisenehmer:innen nicht durch irreführende Behauptungen täuschen und muss alle relevanten Fakten offenlegen. Dazu gehört die Beantwortung konkreter Fragen der Franchisenehmer:innen.

Kernelemente eines Franchisevertrags

Der Deutsche Franchiseverband hat einen Ethikkodex für Franchisesysteme erstellt. Mitglieder sind verpflichtet, nach diesem Kodex zu handeln. Typischerweise regelt ein Franchisevertrag dementsprechend unter anderem folgende Punkte:

  • Rechte und Pflichten des Franchisegebers
  • Rechte, Pflichten und Zahlungsverpflichtungen der Franchisenehmer:innen
  • Waren und/oder Dienstleistungen, die den Franchisenehmer:innen zur Verfügung zu stellen sind
  • Vertragsdauer
  • Grundlage zur Vertragsverlängerung
  • Verkaufs- oder Übertragungsbedingungen für die Franchisenehmer:innen sowie mögliche Vorkaufsrechte des Franchisegebers
  • Bestimmungen zum Gebrauch der typischen Corporate Identity des Franchisegebers (Kennzeichnungen, Firmenname, Ladenschild, Logos etc.)
  • Recht des Franchisegebers zur Anpassung des Franchisesystems an neue oder geänderte Verhältnisse
  • Regelungen zur Vertragsbeendigung
  • Bestimmungen zur Rückgabe des Eigentums des Franchisegebers nach Vertragsende

Quick-Info

Will ein Unternehmen expandieren, kann es neben einem Franchiseunternehmen auch ein Tochterunternehmen oder eine Niederlassung in Betracht ziehen. Der Hauptunterschied liegt in der Art der Geschäftsbeziehung und der Kontrolle.

  • Eine Niederlassung ist eine Erweiterung des Hauptunternehmens, bei der der Niederlassungsleiter zwar gewisse Befugnisse hat, die Kontrolle aber weiterhin bei der Geschäftsführung liegt.
  • Eine Tochtergesellschaft ist weitgehend autonom. Sie wird von einer eigenen Geschäftsführung geleitet und ist nur über das Beteiligungsverhältnis mit dem Mutterunternehmen verbunden. Die Verantwortung entspricht jener zwischen Gesellschaftern und ihrer Gesellschaft.
  • Ein Franchiseunternehmen schließlich ist ist rechtlich selbstständig, orientiert sich im operativen Geschäft jedoch an den Vorgaben des Franchisegebers. Der Franchisenehmer hat die Rechte zur Nutzung einer Marke und eines Geschäftskonzepts erworben und ist für die Geschäftsführung verantwortlich. Der Franchisegeber hingegen bietet Unterstützung und Schulungen.

So funktioniert die Franchisegründung

Der Weg zum erfolgreichen Franchiseunternehmen lässt sich in mehrere Phasen unterteilen. Eine sorgfältige Vorbereitung ist dabei entscheidend für den späteren Erfolg.

1. Selbstanalyse

  • Eigene Fähigkeiten, Interessen und unternehmerische Stärken reflektieren.
  • Finanziellen Spielraum und verfügbares Eigenkapital evaluieren.
  • Prüfen, ob das Franchising-Modell mit eingeschränkter Entscheidungsfreiheit zum eigenen Unternehmertypus passt.

2. Systemrecherche & -analyse

  • Passende Branchen nach persönlichen Neigungen und Marktpotenzial auswählen.
  • Franchisemessen und Onlineportale zur Recherche nutzen.
  • Informationsmaterial von mindestens drei Anbietern anfordern und vergleichen.
  • Mit bestehenden Franchisenehmer:innen des Systems sprechen, um Erfahrungen aus erster Hand zu erhalten.

3. Businessplan & Finanzierung

  • Einen detaillierten Businessplan mit Standortanalyse, Umsatz- und Kostenprognosen erstellen.
  • Gesamtinvestition und Kapitalbedarf ermitteln.
  • Finanzierungsgespräche mit Banken führen und Fördermöglichkeiten (z. B. KfW-Kredite) prüfen.

4. Vertragsprüfung & -abschluss

  • Den Franchisevertrag von einem auf Franchiserecht spezialisierten Anwalt prüfen lassen.
  • Alle offenen Fragen mit dem Franchisegeber klären und ggf. nachverhandeln.
  • Nach erfolgreicher Prüfung den Vertrag unterzeichnen.

5. Gründung & Eröffnung

  • Die passende Rechtsform für das Unternehmen festlegen und gründen.
  • Geschäftsräume finden, anmieten und gemäß Systemvorgaben gestalten.
  • An den Erstschulungen des Franchisegebers teilnehmen.
  • Personal einstellen und schulen.
  • Marketingmaßnahmen für die Eröffnung planen und umsetzen.

Tipp: Am besten lassen Gründer:innen den Franchisevertrag vor der Unterzeichnung von einem Anwalt prüfen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

Franchising als Expansionschance

Franchising verbindet die Stärke einer etablierten Marke mit dem unternehmerischen Engagement selbstständiger Partnerbetriebe. Der Franchisevertrag regelt die Rechte und Pflichten beider Seiten und bildet damit die Grundlage der Zusammenarbeit. 

Wer ein Franchiseunternehmen gründen will, sollte System, Vertrag und Wirtschaftlichkeit sorgfältig prüfen. Dann kann Franchising den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern und zugleich neue Wachstumschancen eröffnen.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten

*Detaillierte Informationen zu Leistungen, insbesondere zu Ausschlüssen, kannst du den jeweiligen Bedingungen des Kartenproduktes oder des Versicherungsproduktes entnehmen.
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