Female Leadership: So profitieren Unternehmen von Frauen in der Führung

Alles Wichtige auf einen Blick
Der Anteil von Frauen in Führungsrollen in Deutschland ist 2025 leicht gesunken und liegt aktuell bei 23,9 Prozent: dem niedrigsten Wert der letzten fünf Jahre.1 Erstaunlich ist: Beim Thema Gleichstellung sieht sich Deutschland selbst als fortschrittlich, ist aber ein Entwicklungsland: Laut Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums liegt Deutschland bei „Frauen in Führungspositionen“ und „Equal Pay“ regelmäßig nur nahe Platz 100.
Insbesondere in den obersten Führungsebenen vieler Unternehmen sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert. Besonders deutlich zeigt sich dies im Mittelstand: In Unternehmen mit 101 bis 500 Beschäftigten beträgt ihr Anteil nur 12,6 Prozent. In vielen familiengeführten Betrieben prägen nach wie vor gewachsene Strukturen und traditionelle Nachfolgemodelle die Besetzung von Führungspositionen.
In Großunternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden liegt der Frauenanteil an der Spitze bei rund 17 Prozent. Deutlich positiver entwickelt sich die Situation in den DAX-40-Unternehmen: Dort sind inzwischen 26 Prozent der Vorstandsmitglieder Frauen – so viele wie nie zuvor.2 Am höchsten liegt der Frauenanteil jedoch in kleinen Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten: Hier ist fast jede dritte Führungskraft weiblich (29,4 Prozent).
Nach wie vor: Christian stellt am liebsten Christian ein
Auch 2025 gibt es in börsennotierten Firmen mehr Vorstandsvorsitzende namens Christian (zehn) als weibliche Vorstandsvorsitzende (sieben). Doch immerhin: In den Top-Etagen börsennotierter deutscher Unternehmen sind mehr Frauen denn je.
Quelle: Haufe Online Redaktion, 2025
Besonders groß bleibt die Lücke in der Digitalwirtschaft auf allen Karrierestufen. Der Anteil weiblicher IT-Fachkräfte beträgt nur 18 Prozent. Dadurch stehen der Branche nicht nur weniger potenzielle Führungskräfte zur Verfügung, auch die Vielfalt von Perspektiven in Innovations- und Entwicklungsprozessen bleibt begrenzt. Das hemmt laut Bitkom auch die Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche.
Zum Vergleich: Unter allen Erwerbstätigen in Deutschland beträgt der Frauenanteil 46,9 Prozent.3 Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels sehen viele Branchenverbände darin ungenutztes Potenzial.
Business Karte mit Premiumvorteilen
Die Frage ist heute weniger, ob Frauen Führungsverantwortung übernehmen können, sondern wie Unternehmen von vielfältigen Führungsteams profitieren. Unternehmen mit divers besetzten Führungsteams erzielen häufig bessere Ergebnisse bei Innovation, Mitarbeiterbindung, Nachhaltigkeit und Unternehmensentwicklung.
Ein möglicher Grund: Unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven können die Qualität von Entscheidungen verbessern. Führungsteams, die vielfältig zusammengesetzt sind, hinterfragen Annahmen häufiger, betrachten Risiken aus mehreren Blickwinkeln und entwickeln oftmals kreativere Lösungsansätze.
Besonders in Krisenzeiten beweisen Frauen laut Harvard Business Review zudem echte Stärke und haben in 13 von 19 Führungskompetenzen die Nase vorn, etwa bei Teamarbeit, Motivation und Empathie. Warum das für KMUs wichtiger denn je ist, erfährst du in unserem Artikel „Soft Skills, die in Führungsrollen zählen“.
Auch die Norwegian Business School bestätigt, dass Frauen in einigen Persönlichkeitsmerkmalen ihren männlichen Kollegen ein Stück voraus sind. Sie kommunizieren klarer, sind offener für Innovationen, gewissenhafter und fördern ihre Mitarbeitenden gezielter.
Die stärker ausgeprägte Empathie bei Frauen erweist sich in Führungsrollen als klarer Vorteil. Sie schaffen es leichter, Stimmungen im Team zu erfassen, Sorgen offen anzusprechen, Konflikte zu lösen und Mitarbeitende zu motivieren. Gerade in einer Arbeitswelt, die von Fachkräftemangel, Transformation und hybriden Arbeitsmodellen geprägt ist, gewinnen diese Kompetenzen zunehmend an Bedeutung.
Für Unternehmen bietet eine stärkere Beteiligung von Frauen in Führungspositionen noch einen weiteren Vorteil: Sie erschließen einen größeren Talentpool.
Angesichts des demografischen Wandels können es sich Unternehmen immer weniger leisten, auf qualifizierte Fach- und Führungskräfte zu verzichten. Wer weibliche Talente gezielt fördert, erhöht die Chancen, offene Schlüsselpositionen erfolgreich zu besetzen und sich langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen.
Ob Frau oder Mann: Was zählt, sind Leadership-Qualitäten
Studien belegen, dass Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen nachhaltiger wirtschaften, profitabler sind und bessere ESG-Werte erreichen. Ihre Leadership-Qualitäten wie Weitsicht, Kooperationsfähigkeit und strategische Empathie gelten heute als Erfolgsfaktoren – auch für Männer.
Quelle: Springer Professional, 2023
Karrieren entstehen selten allein. Kontakte, Erfahrungsaustausch und Unterstützung durch erfahrene Führungskräfte spielen häufig eine wichtige Rolle auf dem Weg nach oben.
Genau hier setzen Mentoring-Programme an. Sie bringen erfahrene weibliche Führungskräfte und Nachwuchstalente zusammen. Dabei geht es aber nicht allein um Wissensweitergabe, sondern darum, sich offen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam ein Business-Netzwerk zu knüpfen.
Und diese Programme zeigen Wirkung. Knapp 70 Prozent der Teilnehmerinnen im Mentoring-Programm der ERGO Versicherung konnten eine höhere Position oder Führungsposition erreichen. Ein zweites Erfolgsbeispiel stellt die rheinland-pfälzische Landesverwaltung dar. Hier stieg der Anteil weiblicher Führungskräfte durch das Programm „Mehr Frauen an die Spitze!“ innerhalb von 15 Jahren von 25 auf 39 Prozent.
Allerdings entfalten Mentoring-Programme ihre größte Wirkung meist dann, wenn sie Teil einer umfassenden Personalstrategie sind. Dazu gehören transparente Karrierewege, faire Beförderungsprozesse und eine Unternehmenskultur, die Vielfalt aktiv fördert.
Podcast-Tipps: Inspirierende Role Models und Karriere-Tipps von Frauen für Frauen bieten Podcasts wie der „Female Leadership Podcast“ von Vera Strauch oder „Die Boss – Macht ist weiblich“ mit Simone Menne.
Neben internen Programmen können auch externe Netzwerke wertvolle Impulse liefern. Organisationen wie MentorMe, Business and Professional Women oder PANDA – The Women Leadership Network bieten Frauen Möglichkeiten zum Austausch, zur Weiterbildung und zum Aufbau beruflicher Kontakte.
Besonders für Frauen in MINT-Berufen gibt es spezialisierte Netzwerke, z. B. das VDI-WoMentorING. Grundsätzlich kann jede Form der Vernetzung – auch jenseits offizieller Programme – enorm wertvoll sein. Denn Female Leadership funktioniert nur gemeinsam.
Zu den wichtigsten Hebeln zählen:
- flexible Arbeitszeitmodelle
- bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
- transparente Beförderungskriterien
- klare Karrierepfade
- Leadership-Programme
- individuelles Coaching
- aktive Talentförderung
Eine besondere Rolle spielen dabei Führungskräfte selbst. Unternehmen, in denen Diversität sichtbar gelebt wird, gelten häufig als attraktivere Arbeitgeber und können leichter qualifizierte Bewerberinnen gewinnen.
Entscheidend ist dabei nicht die Besetzung einzelner Positionen, sondern die Schaffung fairer Rahmenbedingungen. Ziel sollte es sein, dass qualifizierte Talente unabhängig vom Geschlecht gleiche Chancen erhalten, Führungsverantwortung zu übernehmen.
Laut einer Erhebung des ifo Instituts aus dem Jahr 2023 ist ein Drittel der Unternehmen bereit, den Frauenanteil durch gezielte Maßnahmen zu erhöhen. Klar ist auch: Männer sind Teil der Lösung. Wenn ein Christian künftig auch mal eine Christiane einstellt, wäre das ein Zeichen für echten Wandel. Denn in Top-Positionen übernehmen Frauen nicht nur Aufgaben, sondern auch Verantwortung – und gestalten so den Erfolg der Unternehmen von morgen.
Female Leadership ist mehr als ein Gleichstellungsthema: Unternehmen, die Frauen auf ihrem Karriereweg unterstützen und ihnen den Zugang zu Führungspositionen erleichtern, stärken ihre Arbeitgeberattraktivität und nutzen vorhandene Talente besser. Wer faire Karrierechancen schafft, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens und schafft gute Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum.
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Was ist Female Leadership?Female Leadership bezeichnet die Übernahme von Führungsverantwortung durch Frauen sowie die Perspektiven und Erfahrungen, die sie in Führungspositionen einbringen. Der Begriff wird häufig im Zusammenhang mit Chancengleichheit, Vielfalt und moderner Führungskultur verwendet.+
Was spricht für Frauen in Führungspositionen?Unternehmen mit mehr Frauen in Leitungspositionen sind häufig innovativer, kreativer und erfolgreicher. Eine Studie der Universität Tübingen zeigt zum Beispiel, dass Unternehmen mit mehr weiblichen Führungskräften Risiken besser managen und nachhaltigen Erfolg erzielen können.+
Welche Herausforderungen haben Frauen in Führungspositionen?Zu den häufig genannten Herausforderungen weiblicher Führungskräfte zählen geschlechtsspezifische Vorurteile, fehlende Vorbilder, eingeschränkte Netzwerke, Unterschiede bei Karrierechancen sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Viele Unternehmen reagieren darauf inzwischen mit gezielten Fördermaßnahmen und flexibleren Arbeitsmodellen.
1 CRIF 2025: „Weltfrauentag: Frauenquote in Führungspositionen sinkt und liegt in Deutschland bei 23,9 Prozent – höchste Frauenquote in Brandenburg“
2 Personalwirtschaft 2025: „Frauenanteil in DAX-Vorständen auf historischem Hoch“
3 Statistisches Bundesamt 2024: „Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben“