- Der Goldene Bär: Jack Nicklaus
- Der Tiger: Eldrick Woods
- Der ewige Amateur: Bobby Jones
- Die Arbeitsbiene: Ben Hogan
- Mr. Zuverlässig: Bernhard Langer
- Der Weg aus dem Schatten: Nelly Korda
- Herrscher:innen über Dekaden
In jeder Sportart gibt es zahlreiche Athlet:innen, die auf beeindruckende Erfolge zurückblicken können. Im Golf ist diese Liste besonders lang. Denn das erste der vier Grand-Slam-Turniere fand bereits 1860 im verschlafenen schottischen Küstenstädtchen Prestwick statt: die British Open. Im Volksmund „The Open“ genannt, gilt sie als Ursprung der Geschichte des modernen Golfsports.
Seit ihrer ersten „Lesung“ wird die British Open jährlich an wechselnden Orten Großbritanniens abgehalten. Später kamen das US Masters, die US Open und die PGA Championship dazu. Zusammen bilden sie den Grand Slam. Siege bei diesen Turnieren sind im Golf der Maßstab. Alle vier innerhalb eines Kalenderjahres zu gewinnen, nennt man den Grand Slam. Ein bislang unerfüllter Traum.
Doch was macht den Unterschied zwischen Weltklasse und Unsterblichkeit aus? Wann erhalten herausragende Golfer:innen den Heldenstatus? Nur ganz wenigen Golf-Playern ist es gelungen, eine ganze Ära zu prägen, über ein ganzes Jahrzehnt oder länger diesen Sport zu dominieren sowie auch nach harten Rückschlägen zurückzukommen, um sich zu alter Größe aufzuschwingen.
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Der Goldene Bär: Jack Nicklaus
Jack Nicklaus gilt immer noch als Bester aller Zeiten, als der Zeus im Olymp der Golfgötter. Mit 18 Major-Siegen, vielen Erfolgen bei den vier Grand-Slam-Turnieren, ist er auf jeden Fall der Erfolgreichste. Er beherrschte die Turnierszene in den 60er- und 70er-Jahren wie zuvor niemand anderes und war bis weit in die 80er-Jahre erfolgreich.
Zudem wurde er 20-mal Zweiter, eine Randnotiz in einem Sport, in dem nur Siege zählen, aber das unterstreicht die Einzigartigkeit des US-Amerikaners, der wegen seiner kräftigen, etwas behäbigen Statur Goldener Bär genannt wurde. Er gewann 115 Turniere. Zwischen seinem ersten Sieg (1962) bei einem Major-Turnier und dem letzten (1986) liegen 24 Jahre.
Ein Vierteljahrhundert der Dominanz in einem Sport, der keine Fehler verzeiht, bei dem die Konkurrenz riesengroß ist und der – obwohl im Ruf stehend, ein Sport für alte Männer zu sein – auf subtile Weise kräfteraubend ist, weil an vier aufeinanderfolgenden Tagen bei höchster Konzentration fast zehn Kilometer zurückgelegt werden.
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Abschied mit 65 Jahren
Jack Nicklaus’ Spiel zeigte kaum eine Schwäche. Er war überragend auf dem Green und schlug den Ball weiter als alle anderen Spieler:innen seiner Zeit. 2005 trat er im Alter von 65 Jahren zum letzten Mal bei den British Open an.
Zusammen mit seinen vier Söhnen und dem Mann seiner Tochter konzipiert Jack Nicklaus mit seiner Firma Golden Bear International – wie könnte es anders sein – Golfplätze.
Funfact: Als Golfplatzarchitekt hat Jack Nicklaus bereits 25 Plätze in China gebaut.
Der Tiger: Eldrick Woods
Eldrick Woods? Nie gehört, wirst du vielleicht denken. Dabei ist Woods der Einzige, der dem Goldenen Bären den Titel als größter und berühmtester Golfer aller Zeiten streitig machen kann. Aber wer Woods sagt, muss eben auch Tiger sagen, dann wissen auch weniger Golfinteressierte, wer gemeint ist.
Denn Tiger Woods’ Ruhmestafel ist ebenfalls voll beschrieben: 15 Major-Turniere gewann der heute 49-Jährige, dazu 105 Titel insgesamt. Zwölfmal beendete er die Saison als Erster der Golf-Weltrangliste. Bereits mit 21 Jahren gewann er mit dem Masters in Augusta sein erstes Grand-Slam-Turnier.
Als bislang einzigem Spieler gelang es ihm, alle vier Majors nacheinander zu gewinnen (2000/2001). Weil dies nicht innerhalb einer Saison gelang, zählt es nicht als Grand Slam, vielmehr ging es als „Tiger Slam“ in die Golfgeschichte ein.
Das Talent war Tiger Woods in die Wiege gelegt. Bereits im Alter von zwei Jahren puttete der von seinem Vater geförderte Knirps in einer TV-Show gemeinsam mit dem Komiker Bob Hope um die Wette – Hope im Anzug, Tiger in Windeln.
Nachdem er bereits im neunten Jahr seiner Karriere sein zehntes Major gewonnen hatte, wurde ihm prophezeit, dass er den als unschlagbar geltenden Rekord von Jack Nicklaus brechen würde.
Doch 2008 brach die Erfolgsserie nach einer Reihe privater Sorgen und Verletzungen ab. Elf Jahre lang musste er mitansehen, wie ihn die Konkurrenz überholte. 2019 kam er dann zurück: mit einem Sieg beim US Masters. Seither hoffen seine Fans, er werde den Goldenen Bären doch noch einholen.
Ein schwerer Autounfall zu Beginn des Jahres 2021, bei dem er sich mehrere schwere, offene Trümmerbrüche zuzog, hat dieses Ziel in weite Ferne gerückt. Es wäre ein Drama, wenn die Karriere dieses einzigartigen Golfers so zu Ende ginge.
Nice to know: Finanziell muss sich Tiger Woods wohl keine Sorgen mehr machen. Zehnmal beendete er die Saison als Erster der PGA-Geldrangliste. Er soll über ein Vermögen von 700 Millionen US-Dollar verfügen.
Der ewige Amateur: Bobby Jones
Der erste unter den Großen des Golfsports, der eine Ära prägte, war Bobby Jones. 1902 geboren, machten sich seine Eltern zunächst große Sorgen um das kränkelnde Kind, dessen ältere Schwester bereits im Säuglingsalter gestorben war. Aber Bobby entpuppte sich als Kämpfer. Er erholte sich von seinen Krankheiten und war in den 20er-Jahren der dominante Spieler dieses Sports.
Er gewann 62 Prozent der Turniere, bei denen er antrat. Eine heute unvorstellbare Quote. Jones widerstand der Verlockung des Geldes und blieb sein Leben lang Amateur. In den Annalen des Sports sind „nur“ sieben Major-Siege für ihn verzeichnet. Allerdings galten damals neben den US Open und den British Open auch die beiden Amateur-Wettbewerbe der beiden Länder als Grand-Slam-Turniere.
Und diese gewann er insgesamt sechsmal, sodass seine Bilanz eigentlich bei 13 Major-Siegen steht. Wie Jack Nicklaus zählte er zu den ersten Golfer:innen, die 1974 in die neu gegründete Hall of Fame aufgenommen wurden. Und im legendären Golf Club St. Andrews in Schottland trägt das 10. Loch des Old Course bis heute seinen Namen. Jones starb 1971 im Alter von 69 Jahren.
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Weil damals die Amateur-Turniere der US Open und der British Open noch als Majors galten, ist Bobby Jones der einzige Spieler, dem es je gelang, den – inoffiziellen – Grand Slam zu gewinnen.
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Spektakulärer Rekord mit 64
Einen besonders aerodynamischen Ball muss 1974 der australischen Profigolfer Mike Austin dabeigehabt haben. Am Abschlag eines Par-4-Lochs drosch er die kleine Kugel 465 Meter weit. Normalerweise brauchen Spieler:innen für diese Distanz zwei Schläge. Der Ball landete 60 Meter hinter dem Grün.
Zusätzlich spektakulär: Austin war bei diesem bis heute geltenden Rekord bereits 64 Jahre alt.
Die Arbeitsbiene: Ben Hogan
„Jeder Tag, den man nicht auf der Driving Range verbringt, ist ein verlorener Tag beim Streben, ein großer Golfer zu werden.“ Dieses Zitat von Ben Hogan sagt alles über seinen Ehrgeiz und seinen Fleiß. Diese eiserne Disziplin führte dazu, dass er von Mitte der 40er-Jahre an eine Dekade lang den Sport dominierte und neun Major-Siege errang. Noch heute ist sein perfekter Golfschwung Vorbild für die Profis.
Golfspieler des Jahrhunderts
Auch ein Autounfall 1949, bei dem er schwere Verletzungen erlitt, konnte ihn nicht stoppen. Obwohl ihm mehrere Ärzt:innen prognostizierten, er werde nie wieder laufen können, stand er ein Jahr später wieder am Abschlag eines großen Turniers, feierte einen emotionalen Turniersieg und gewann in der Folge sechs weitere Majors. 1969 wählten ihn amerikanische Sportjournalist:innen zum besten Spieler des Jahrhunderts.
Fünf Jahre später wurde er als eines der ersten Mitglieder in die neu gegründete Hall of Fame des Golfsports aufgenommen. Auch nach seiner Karriere blieb er dem Golf treu – als Produzent hochwertiger Schläger. Er starb 1997 im Alter von 84 Jahren.
Nice to know: Am Anfang seiner Karriere wurde Hogan im Zweiten Weltkrieg an die Front geschickt. Nach seiner Rückkehr feierte er weitere Erfolge auf dem Golfplatz.
Mr. Zuverlässig: Bernhard Langer
Der berühmteste deutsche Golfer, der das Spiel hierzulande prägte und TV-fähig machte, ist Bernhard Langer. 1985 gewann er als erster Deutscher ein Golf-Major und durfte sich nach dem Sieg beim US-Master das grüne Jackett überstreifen, das der Sieger dieses prestigeträchtigen Turniers bekommt.
Acht Jahre später konnte er den Erfolg wiederholen. Zudem gewann er insgesamt 114 Turniere, also nur eins weniger als Jack Nicklaus. Wegen seiner Disziplin und Konstanz wurde er Mister Consistency genannt.
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Ryder-Cup-Sieger als Spieler und Teamkapitän
Auch im Ryder Cup, dem traditionellen Teamwettbewerb zwischen den besten europäischen und amerikanischen Profis, feierte Bernhard Langer mit dem europäischen Team große Erfolge als Spieler und Kapitän. Gekrönt wurde seine Karriere 2004, als das Europa-Team mit ihm als Kapitän den Ryder Cup gegen die USA gewann – ein weiterer legendärer Turniersieg in der langen Geschichte dieses Wettbewerbs.
Nach seiner Karriere auf der Profitour verzichtete die Golfikone auf den Ruhestand und startete auf der Senior Tour durch, auf der er bei elf Grand-Slam-Turnieren siegte.
Funfact: Für Erheiterung sorgte eine Szene, die sich am 17. Loch beim Turnier in Fulford ereignete: Bernhard Langer hatte seinen zweiten Schlag in die Bäume geschlagen, wo er in einer Astgabel in der Nähe des Grüns liegen blieb. Langer kletterte kurzerhand auf den Baum und chippte den Ball von dort aus dicht an die Fahne.
Der Weg aus dem Schatten: Nelly Korda
Die derzeit wohl berühmteste Golfspielerin ist Nelly Korda. Bei den Olympischen Spielen in Tokio im August gewann sie die Goldmedaille. Die 26-jährige US-Amerikanerin konnte bereits drei Turniere auf der LPGA, der Frauen-Profi-Tour, gewinnen. Kurz vor den Olympischen Spielen gewann sie mit der Women’s PGA Championship ihr erstes Major-Turnier.
Nelly Korda kommt aus einer berühmten Sportfamilie. Ihr Vater ist der ehemalige tschechische Tennisprofi Petr Korda, der 1998 ebenfalls ein Grand-Slam-Turnier gewann: die Australian Open. Jetzt trat sie aus dem Schatten des berühmten Vaters heraus. Sie ist die aktuelle Nummer eins der Damen-Golfwelt.
Nice to know: Auch ihre Schwester Jessica gehört im Damen-Golf zur Weltspitze. Ihr Bruder Sebastian kommt eher nach dem Vater. Er gewann 2018 den Jugendwettbewerb der Australian Open.
Herrscher:innen über Dekaden
Es gibt noch viele andere Golfikonen, die unvergessen bleiben, wie zum Beispiel der Spanier Severiano Ballesteros, der Südafrikaner Gary Player, der US-Amerikaner Tom Watson oder der Brite Nick Faldo. Sie alle waren spezielle Charaktere, die die Massen begeisterten, zahlreiche Triumphe errangen und ihren Platz in der Hall of Fame gefunden haben.
Aber sie waren nicht in dem Maße prägend wie Tiger Woods, Jack Nicklaus oder Bobby Jones, die über den Golfsport eine oder mehrere Dekaden herrschten, die das Maß aller Dinge in diesem Sport waren und auch für die nachfolgenden Generationen bleibende Impulse gaben.
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