Was ist der KSV?
Der Kreditschutzverband wurde 1870 von rund 40 Unternehmern in Wien gegründet. Das Ziel des Verbands ist es bis heute, Kreditgeber, Händler und Dienstleister vor finanziellem Schaden zu bewahren.
Das geschieht, indem wirtschaftlich relevante Daten zur Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Privatpersonen dokumentiert werden. Heute handelt es sich beim KSV um ein privates Unternehmen, unabhängig von Wirtschaft und Politik, mit staatlichen Vorrechten. Das bedeutet, der KSV hat bei einem Insolvenzfall das Recht auf Akteneinsicht und das Recht, seine Kund:innen im Insolvenzfall vor Gericht zu vertreten.
Neben Kreditauskünften bietet der KSV auch Inkassodienstleistungen, dazu gehören neben der Insolvenzvertretung vor Gericht auch Inkassoforderungen oder Beobachtungen der Bonität (Zahlungsfähigkeit) von Kund:innen.
Aufgaben und Funktionsweise des Kreditschutzverbands
Der Grundgedanke des KSV war der Austausch von Informationen unter Geschäftsleuten zum Schutz vor finanziellen Verlusten. Der KSV kann keine Bankkonten einsehen, bekommt aber Kredite, Zahlungsschwierigkeiten und Insolvenzen gemeldet. Daraus kann abgeleitet werden, wie finanzkräftig bzw. kreditwürdig eine Person ist, und diese Information wird in Form des Infopasses den Mitgliedern des KSV zur Verfügung gestellt.
Daneben spielt der KSV eine wichtige Rolle im Insolvenzfall bei Gericht. Der KSV ist grundsätzlich darum bemüht, Unternehmen zu erhalten, wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist, und hilft bei der Erarbeitung von Sanierungsplanangeboten. Als Vertreter der Gläubiger wird versucht, deren finanziellen Schaden möglichst gering zu halten. Auch hilft der KSV Privatpersonen dabei, sich finanziell zu rehabilitieren.
Für Unternehmer:innen besteht die Möglichkeit, gegen Zahlung eines jährlichen Mitgliedsbeitrags ein Mitglied des KSV zu werden. Auskünfte, abgesehen von der Selbstauskunft, ergehen nur an Mitglieder. Es werden verschiedene Arten der Mitgliedschaft, je nach Gattung des Betriebs, angeboten. Der Mitgliedsbeitrag richtet sich nach der Anzahl der Mitarbeitenden.
KSV-Auszug: ein Einblick in Ihre KSV-Daten
Es gibt verschiedene Gründe für eine Privatperson, eine Selbstauskunft vom KSV zu beantragen. Die häufigsten dafür sind:
- Zur Vorlage bei Vermieter:innen oder Immobilienmakler:innen, weil man eine Immobilie mieten möchte
- Weil es von der Personalabteilung im Bewerbungsverfahren gewünscht wird
- Zur Vorlage bei Behörden zum Zweck des Erhalts der Staatsbürger:innenschaft, eines Visums, einer Aufenthaltsgenehmigung etc.
- Für Banken und Finanzdienstleister, wenn man einen Kredit aufnehmen oder ein Leasinggeschäft tätigen möchte
Einmal jährlich steht Ihnen als Privatperson eine kostenlose Selbstauskunft (Infopass genannt) nach Art 15 der DSGVO zu. Der Infopass muss online auf der Website des KSV beantragt werden. Die Bearbeitungszeit für die kostenlose Selbstauskunft beträgt 25 bis 30 Tage.
Jeder weitere Infopass für Privatpersonen kostet 43 Euro (Stand 02/2025). Der Infopass muss im Voraus bezahlt werden, das funktioniert entweder über Ihre (AMEX-)Kreditkarte, per PayPal, eps oder paysafecard.
Für den Erhalt des Infopasses benötigen Sie außerdem:
- eine E-Mail-Adresse,
- ein Handy mit SMS-Empfangsmöglichkeit,
- einen Lichtbildausweis und
- einen aktuellen Meldezettel (außer bei Vorlage zu Mietzwecken)
Die Bearbeitungszeit für den Infopass beträgt drei Werktage, dann wird er per E-Mail in PDF-Form übermittelt. Sie können den Infopass online weitersenden und/oder downloaden und ausdrucken.
Der KSV-Auszug beinhaltet Informationen darüber, ob und welche Kredite eine Person oder ein Unternehmen aktuell laufend hat, ob es zu Zahlungsverzug gekommen ist und ein Inkassobüro involviert war. Außerdem sind noch folgende Informationen enthalten:
- Übersicht über bereits aufgenommene Kredite
- Übersicht über alle Bankverbindungen
- Grundbucheinträge
- Geschäftsbeteiligungen
- eventuelle Insolvenzen und Inkassofälle
Wann bekommt man einen KSV-Eintrag?
Keine Sorge, wer einmal eine Rechnung zu bezahlen vergisst und deshalb eine Zahlungserinnerung erhält, bekommt noch keinen Eintrag beim KSV. Werden jedoch auch die folgenden Mahnungen ignoriert, sodass schließlich ein Inkassobüro mit dem Fall beauftragt wird, wird dieses beim KSV vermerkt.
Die zwei Hauptdatenbanken des KSV umfassen Konsumkredite und Warenkredite.
Konsumkredit
Bei den Konsumkrediten wird jeder in Österreich vergebene Kredit vermerkt samt Laufzeit, Höhe und die vereinbarte Art der Rückzahlung. Hier einen Eintrag zu haben, ist nichts Ungewöhnliches, zumal die meisten Personen irgendwann im Laufe ihres Lebens einmal auf einen Kredit angewiesen sind.
Problematisch wird es erst, wenn es zu Schwierigkeiten bei der Rückzahlung kommt, denn auch das wird vermerkt und hat wiederum Folgen, wenn Sie erneut auf einen Kredit angewiesen sind.
Warenkredit
Bei den Warenkrediten werden Fälle erfasst, in denen es zu Zahlungsschwierigkeiten gekommen ist, häufig betrifft das den Versandhandel und Mobilfunkanbieter. Während die Datenbank mit den Konsumkrediten nur Finanzdienstleistern zur Verfügung steht, können die Rubrik Warenkredite alle Kunden des KSV wie Leasingfirmen, Versandhäuser oder Mobilfunkanbieter einsehen.
Wenn ein Kredit wie vereinbart zurückgezahlt wurde, verschwindet auch der Eintrag darüber in spätestens drei Monaten. Bei Zahlungsschwierigkeiten und Mahnungen kann der Eintrag drei bis fünf Jahre nach Begleichung der Schulden bestehen bleiben, eine Privatinsolvenz bleibt sieben Jahre vermerkt.
KSV und American Express Österreich
Auch AMEX ist als Finanzdienstleister auf die Zusammenarbeit mit dem KSV angewiesen. Wenn Sie eine AMEX-Kreditkarte beantragen, wird vor der Bewilligung eine KSV-Auskunft über Sie eingeholt. Das dient einerseits dazu, das Risiko für AMEX geringer zu halten, dass Kreditkartenabrechungen nicht bezahlt werden, andererseits auch dazu, Kund:innen vor Überschuldung zu schützen. Wenn jemand bereits mit Zahlungsschwierigkeiten und Rückzahlungen zu kämpfen hat, wäre es nicht verantwortungsvoll, für eine weitere Verschärfung der Situation in Form von Kreditkartenabrechnungen zu sorgen.