„Die Nettoreichweite ist wichtiger als die Anzahl der Follower:innen“

Eine lächelnde Frau mit Laptop unter dem Arm steht vor einer modernen Küchenzeile mit abstrakten Gemälden in einem Loft.
Florian Heil
Florian Heil
Unternehmensgründerin Jenny Song Schmidt ist Expertin für performance- und datengesteuertes Influencer-Marketing. Wir haben mit ihr gesprochen. Warum sich Kampagnen auch für kleine Unternehmen eignen, worauf es bei Influencer:innen ankommt und welche Tools weiterhelfen können, liest du im ersten Teil des Interviews.

Frau Schmidt, warum sollten Selbstständige sowie kleine und mittlere Unternehmen überhaupt über Influencer-Marketing nachdenken?

Influencer-Marketing ist im Grunde Weiterempfehlungsmarketing. Es funktioniert, da Menschen anderen Menschen vertrauen. Und zwar mehr als irgendwelchen Logos, Bannern oder Plakaten. Und viele KMUs nutzen diese Vertrauensbasis, die Influencer:innen und ihre Communitys über Jahre aufgebaut haben, für ihre Zwecke.

Wie können Sie Mittelständlern mit Ihrer Expertise konkret helfen?

Nur zum Verständnis: Ich selbst bin keine Influencerin. Aber meine Agentur berät Unternehmen und erstellt zielgerichtete Influencer-Marketingkampagnen in ihrer gesamten Bandbreite, ob als Online-Kampagne oder Offline-Event. Diese sind datenbasiert und haben in der Regel einen starken Fokus auf Performance. Zudem bieten wir Workshops an, beispielsweise für die richtige Vermarktung von Nischenprodukten durch Influencer:innen.

Wie sieht performance- und datengesteuertes Influencer-Marketing konkret aus?

Influencer-Marketing kann ja auf verschiedene Ziele einzahlen, etwa auf Awareness oder Content. Wir konzentrieren uns bei einem Großteil unserer Kampagnen aber auf die Performance, also im Endeffekt ist hier eine Umsatzsteigerung das klare Ziel. Datengetrieben ist das insofern, als wir Erfahrungswerte, Tools und Insights nutzen, um Daten auszuwerten, ein klares Bild von der Zielgruppe zu bekommen und einen Business-Case aufzustellen.

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Inwiefern kann Influencer-Marketing Markenbotschaften besser verbreiten als andere Marketingdisziplinen?

Wenn Unternehmen passende Creator:innen gefunden haben, die genau die Communitys bespielen, in der die eigene Zielgruppe zu finden ist, ist der anfangs erwähnte Vertrauensaspekt das entscheidende Argument. Und natürlich lassen sich Geschichten durch Influencer:innen besser transportieren als über viele andere Wege, vor allem in der Länge. Idealerweise findet aber ein Zusammenspiel zwischen Influencer-Marketing und anderen Kanälen statt.

Geschichten lassen sich durch Influencer:innen besser transportieren als über viele andere Wege.

Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem dieses Zusammenspiel optimal funktioniert hat?

Eine bekannte Influencerin hatte in einem Interview einst gesagt, dass sie die Online-Fitnessplattform Gymondo toll findet und das Angebot regelmäßig nutzt. Damals war ich für den Aufbau des Influencer-Teams bei Gymondo verantwortlich und habe diese Person für eine Kooperation angefragt. Das Ergebnis war eine erfolgreiche, langjährige Zusammenarbeit. Nicht nur aufgrund des Vertrauens, das sie in der Szene genoss, sondern auch aufgrund des guten Zusammenspiels der Vermarktung über Paid-Channel und Meta Ads.

Zur Person

Jenny Song Schmidt, geboren 1995, studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin, bevor sie den klassischen Karrierepfad gegen ein Leben als internationale Unternehmerin eintauschte. Von 2017 bis 2021 baute sie das Social-Media- und Influencer-Marketing von Gymondo zum stärksten Akquisekanal der Firma auf. 2021 gründete Schmidt ihre Beratungs- und Influencer-Marketingagentur Likeminded, die heute globale Marken wie WELEDA oder Ritter Sport betreut.
 
Schmidt führt ein Remote-Team und lebt zwischen Europa und Südostasien. Neben ihrer Kernarbeit ist sie als Speakerin und Moderatorin aktiv, hostet das jährliche Likeminded Retreat, das Gründer:innen und Creator:innen weltweit zusammenbringt, und teilt Einblicke in das Unternehmertum, Personal Branding und den Aufbau eines ortsunabhängigen Business. Für sie bedeutet Unternehmertum vor allem Freiheit: zu gestalten, zu wachsen und das eigene Leben bewusst zu wählen.

Gefühlt gibt es jedes Jahr mehr Influencer:innen. Hat diese Ballung ihre Berechtigung auf dem Markt?

Nicht nur gefühlt, es werden definitiv immer mehr. Und fraglos hat dieser Zuwachs seine Berechtigung. Social Media hat Reichweite demokratisiert, Menschen können frei entscheiden, wem sie folgen wollen und dabei ihre individuellen Nischen finden.

Und natürlich gibt es in dem Zuge auch immer mehr Creator:innen, die diese Nischen bespielen. Das ist eine große Chance für Marken, spezielle Zielgruppen zu erreichen. Für die Influencer:innen selbst wird es allerdings zusehends schwieriger, die ganz große Bekanntheit zu erlangen mit Millionen von Follower:innen.

Sind für Kampagnen denn viele kleine Influencer:innen sinnvoller oder wenige größere?

Das kommt auf das Ziel der Kampagne an. Sogenannte Leuchtturm-Influencer:innen, die selbst eine große Marke sind, schaffen leichter Awareness für ein Unternehmen. Für eine performanceorientierte Kampagne ist es meiner Meinung nach sinnvoller, mit mehreren kleineren Creator:innen zusammenzuarbeiten oder einen Mix anzustreben, um den gesamten Marketing-Funnel zu bespielen.

Wie finde ich als Unternehmer:in denn passende Influencer:innen? Hat Ihre Agentur selbst einen Pool, auf den Sie nach Bedarf zugreifen können?

Wir sind 2026 seit fünf Jahren im Geschäft und ich persönlich seit neun Jahren in der Branche. Klar ist unser Netzwerk groß und auch die Erfahrungswerte, auf die wir zurückgreifen können.

Aber wir nutzen natürlich verschiedene Tools, die weltweit flächendeckend Influencer:innen anzeigen, gefiltert nach Region, Zielgruppe, Produkt oder vielen weiteren Kriterien. Generell ist es wichtig, zunächst das Ziel der Kampagne festzuzurren und Personas festzulegen. Auf diesen Erkenntnissen basierend können dann passende Personen ausgesucht werden.

ine Frau sitzt in einem hellgelben Anzug mit aufgestütztem Arm und aufgeklapptem Laptop auf dem Schoß in einem Sessel und lächelt dezent in die Kamera.

Woran erkenne ich denn „seriöse“ Influencer:innen, die Unternehmen wirklich nach vorne bringen?

Ein wichtiger Leitsatz lautet: Miss der Follower-Zahl keine große Bedeutung bei. Viel wichtiger ist die tatsächliche Reichweite, die sogenannte Nettoreichweite. Für einen ersten Eindruck lohnt außerdem ein manueller Blick auf die Engagement-Rate, also die Anzahl der Follower:innen, die auf den Profilen der Influencer:innen wirklich in Form von Likes oder Kommentaren aktiv sind.

Liegt diese bei der Vielzahl der Beiträge deutlich unter zwei Prozent oder werden die Kommentare offensichtlich von Bots abgegeben, ist das ein Warnzeichen. Aber Tools können solche Fake-Follower:innen entlarven und sind auch bei anderen Kriterien eine große Hilfe, etwa um die geografische Herkunft der Follower:innen zu bestimmen. Wer Influencer-Marketing professionell angehen möchte, kommt um Tools nicht herum.

Welche Tools empfehlen Sie, um passende Influencer:innen zu finden, den Erfolg zu messen und den ROI zu bestimmen?

Die Basisfunktionen erfüllen alle Tools. Welches das Beste ist, kann ich so pauschal nicht sagen, das kommt darauf an, was das Tool konkret können soll: Einige haben beispielsweise KI-gestützte, individuelle Anschreiben in ihrem Funktionsumfang, andere unterstützen eine sehr detaillierte Bildsuche. Ich nutze sehr gerne Kolsquare. Ein weiteres empfehlenswertes Tool ist das KI-gestützte influData, als preiswertes Einstiegs-Tool eignet sich auch Modash.

Welche Plattform Stand 2026 die wichtigste für Influencer-Marketing ist, welche Trends zu erwarten sind und warum die Platinum Card von American Express ein Gamechanger für Jenny Song Schmidt ist, erfährst du im zweiten Teil des Interviews.

Smartes Leadership, Success Stories und Trends - neben wertvollen Insights zu relevanten Business-Themen findest du hier das Know-how, das dich bei deinen geschäftlichen Entscheidungen weiterbringt.

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