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Fliegende Autos – mehr als nur ein Traum

Ein fliegendes Auto mit einklappbaren Flügeln in der Luft
Ulrich Safferling
Einfach ins Auto setzen, auf die Straße rollen, Gas geben und – wegfliegen! Klingt wie im Kinderbuch „Chitty-Chitty-Bäng-Bäng“, doch der Traum vom Flugauto ist heute schon zum Greifen nah. Seit mehr als zehn Jahren gibt es Prototypen verschiedener Firmen. Und einige davon haben bereits die Zulassung als Fahr- und Flugzeug bekommen. Dennoch: Die Hürden sind hoch, denn sowohl die Sicherheitsauflagen für ein Auto wie für ein Flugzeug müssen erfüllt sein. Schon Ende dieses Jahres soll aber ein Modell in Serie produziert werden.
  1. Startet das Flugauto Terrafugia schon 2021?
  2. PAL-V, das fast schwebende Auto
  3. Zwei Flugautos aus der Slowakei
  4. Carplane – das Auto, das auch fliegen kann

Ein Flugauto ist ein Auto, das bei Bedarf auch fliegen kann – so die einfachste Definition. Das bedeutet aber, es muss alles drin und dran sein. Nicht nur Räder und Motor, sondern auch Propeller und Flügel. Zu schwer darf es auch nicht werden und sicher muss es sein – das erklärt schon, warum es nicht einfach ist, ein fliegendes Auto zu konstruieren. Denn Auto und Flugzeug sind grundverschiedene Welten.

Das Auto verfügt durch seine Bodenhaftung über eine Grundstabilität und der Ausfall des Motors endet meist einfach mit dem Stillstand. Bei einem Flugzeug muss die Fluglage dagegen ständig berechnet und hergestellt werden, damit es sicher in der Luft bleibt. Deshalb werden erst jetzt die ersten Flugautos serienreif.

Ein fliegender und fahrender Prototyp eines selbstfahrenden Elektroautos und einer Passagierdrohne

Startet das Flugauto Terrafugia schon 2021?

Geglückt ist das jüngst beim Flugauto „Terrafugia Transition“, das im Januar 2021 seine Zulassung als „Special Light-Sport Aircraft“ (LSA) in den USA bekommen hat. Damit scheint sich das Investment des chinesischen Autoherstellers Geely – dem auch Volvo und Lotus gehören – auszuzahlen, der 2017 in das Start-up eingestiegen ist. Seit Gründung 2006 verfolgt Terrafugia das Konzept eines Flugzeugs, das zugleich auf der Straße fahren kann, um vom Flugplatz bis ans Ziel zu kommen. Rund 300.000 Dollar soll das fahrende Flugzeug ab Ende 2021 kosten.

Führer- und Pilotenschein sind nötig

Besonders in bergigen Gegenden soll sich das Flugauto auszahlen: Eine vierstündige Autofahrt ließe sich dann auf 20 Minuten Flugzeit reduzieren. Nach der Landung werden die Flügel einfach angeklappt und mit dem Propeller im Heck kann weitergefahren werden. Etwas mehr als 100 km/h sollen möglich sein. Während im Straßenverkehr ein Führerschein nötig ist, muss für den Flug eine LSA-Pilotenlizenz vorhanden sein, die aber schon nach 20 Flugstunden und erfolgreicher Prüfung erteilt werden kann.

Vision vom autonomen Fliegen

Nachdem das Transition-Modell kurz vor dem Marktstart steht, klingt das Projekt TF-X von 2015 deutlich ambitionierter: Ein Flugauto, das senkrecht starten und landen kann, in der Luft bis zu 320 km/h schnell ist und mit seinem Hybridantrieb 800 Kilometer Reichweite hat. Und der Flug soll völlig autonom erfolgen, sprich es wäre keine Pilotenlizenz nötig. Entwicklungszeit: acht bis zwölf Jahre. Seit der Übernahme durch Geely wird das Projekt derzeit allerdings nicht mehr aktiv verfolgt, weil der Fokus auf die Realisierung des Transition-Modells gelegt wurde.

Seit 100 Jahren soll das Auto fliegen

Schon vor mehr als 100 Jahren tüftelte Luftfahrtpionier und Rennfahrer Glenn Curtiss in Amerika an einem Auto, das fliegt. Doch das Autoplane schaffte nur Hüpfer. Besser konnte es 1937 das Modell Arrowbile. Eine Art Auto, an das Flügel montiert werden mussten – es war also nicht jederzeit flug- und fahrfähig. Nach vielen erfolglosen Modellen ist das I-TEC Maverick seit 2009 das erste serienmäßige flugähnliche Auto mit vier Rädern: Wie bei Motorschirmfliegern hängt das Fahrzeug an einem Gleitschirm und wird von einem Propeller angetrieben – ein fliegendes Auto, aber noch kein richtiges Flugauto, sondern in den USA als leichtes Sportflugzeug zugelassen. Ähnlich soll das deutsche Modell Fresh Breeze fliegen, das schon vor Jahren beworben wurde, aber noch nicht serienreif ist.
Ein schwarz-oranges Flugauto mit ausgefahrenen Flügeln und Propellern

PAL-V, das fast schwebende Auto

Während der „Terrafugia Transition“ eine Rollpiste von etwa 500 Metern braucht ist der „PAL-V“ ein sogenannter Tragschrauber, der fast senkrecht starten und landen kann. Im Gegensatz zum Hubschrauber kann er nicht richtig auf der Stelle schweben, weil die Drehflügel nur durch den Fahrtwind angetrieben werden. Die ersten Testflüge fanden 2012 statt, in diesem Jahr soll die Serie starten. Der Name PAL-V ist die Abkürzung für Personal Air and Land Vehicle, zu deutsch Persönliches Luft- und Land-Fahrzeug.

*Detaillierte Informationen zu Leistungen, insbesondere zu Ausschlüssen, kannst du den jeweiligen Bedingungen des Kartenproduktes entnehmen.

Zulassung in der EU

Im Februar 2021 bekam der PAL-V die Zulassung der EASA (European Union Aviation Safety Agency) für Kleindrehflügler CS-27. Dafür musste das Modell mehr als 1.500 Kriterien erfüllen. Der Antrieb erfolgt über einen Motor, der im Flug einen Propeller und auf der Straße über einen Kettenantrieb die Hinterräder antreibt. Der Zweisitzer ist am Boden und in der Luft bis zu 180 km/h schnell. Für Starts und Landungen wird eine Piste von 200 Metern benötigt. Für den Betrieb sind ein Privatpilotenschein (PPL) und ein Führerschein notwendig. Der Stückpreis soll etwa 499.000 Euro betragen.

Ein orange-schwarzes Flugauto mit eingeklappten Propellern auf der Straße

Zwei Flugautos aus der Slowakei

Das Aeromobil aus der Slowakei wurde 2007 auf der Luftfahrtmesse in Friedrichshafen erstmals vorgestellt. Danach folgten verbesserte Versionen, die von Konstrukteur und Pilot Stefan Klein erfolgreich geflogen wurden. Ab 2016 machte er sich selbstständig, um sein eigenes Projekt AirCar zu starten.

Mit einem 300 PS starken Motor soll das Aeromobil bis zu 160 km/h schnell sein, die Reichweite wird mit 520 Kilometer angegeben. Aus dem Stand sollen sich die auf dem Dach zusammengeklappten Flügel in drei Minuten ausfahren lassen, um als Flugzeug zu starten. Die Serienproduktion ist für 2023 geplant.

Stefan Klein und seine fliegenden Autos

Bereits seit 1989 konstruiert der Slowake Stefan Klein Flugautos. Zunächst für die Firma Aeromobil flugfähige Versionen und seit 2016 in seinem Unternehmen das AirCar. Die Gestaltung ist unverkennbar die gleiche wie beim Aeromobil, mit angeklappten Flügeln sehen Kleins Modelle am ehesten wie Autos aus – und mit den Flügeln dann wie Sportflugzeuge.

Daher gilt sein AirCar bereits als die fünfte Generation. Der Antrieb erfolgt über einen BMW-Motor, zum Start und zur Landung brauchen die beiden Modelle eine kurze Piste. Serienreife und Stückpreis sind bisher nicht bekannt.

Ein AirCar mit hochgeklappten Flügeln steht auf einer Landebahn

Carplane – das Auto, das auch fliegen kann

Die Carplane GmbH existiert seit 2011 am Forschungsflughafen Braunschweig und wurde mit EU-Fördergeldern gegründet. Das Konzept sieht ein straßentaugliches Auto vor, das zugleich fliegen kann. So spielte bei der Konstruktion die Höhe von Tiefgaragen genauso eine Rolle wie die Forderung nach vier Rädern.

Da das Zusammenklappen der Flügel unter und über dem Auto Nachteile mit sich bringt, wurde das Flugauto mit zwei Rümpfen geplant – weltweit einzigartig. Im Oktober 2019 wurden die Straßentests abgeschlossen und die Flugerprobung begann.

Kampfpreis um 100.000 Euro

Die Flugauto-Technologie des Carplane – bimodales Fahrzeug genannt – hat 2020 beim Luftfahrt-Bundesamt das Zulassungsverfahren fast abgeschlossen. Auf der Straße erreicht das Flug-Mobil bis zu 176 km/h, in der Luft 210 km/h. In nur 15 Sekunden „Verwandlungszeit“ soll der Zweisitzer von der Straße abheben können. In der Serie soll er weniger als 100.000 Euro kosten.

Ein AirCar Flugauto neben einem Sportflugzeug in der Luft

Nerdpedia

Wusstest du schon, dass ausgerechnet Super-Agent James Bond nie ein Flugauto besaß, obwohl ihm sein genialer Tüftler „Q“ viele Gimmick-Modelle mit in den Einsatz gab? Trotzdem gab es einen 007-Film mit fliegendem Auto: In „Der Mann mit dem goldenen Colt “ fliegt Bond-Gegenspieler Scaramanga (Christopher Lee) James Bond (Roger Moore) in einem AMC Matador Coupé davon, das er in Sekunden mit einem Tragflächen-Kit zum Flugauto umrüsten kann.

Gehen wir bald mit Flugautos in die Luft?

Noch nie war die Menschheit so dicht am Traum vom fliegenden Auto. Mehrere Projekte sind fertig oder so weit, dass sich einsteigen und abfahren oder fliegen ließe. Auch Zulassungen sind schon erteilt worden. Wer aber selbst ans Steuer will wird zum Autoführerschein eine Pilotenlizenz brauchen, denn das autonom fliegende Auto ist noch am wenigsten weit entwickelt. Knackpunkt wird der Preis für ein Flugauto: Unter 100.000 Euro wird kaum ein Modell zu haben sein, realistisch sind Preise um eine halbe Million.

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