- Charakteristika der japanischen Arbeitskultur
- Hierarchien und Respekt vor dem Alter
- Überstunden und Urlaubsverzicht
- Gruppenharmonie und persönliche Interessen
- Kommunikation und Fehlerkultur
- Aktuelle Reformen und Trends in Japans Arbeitswelt
- Die Arbeitskultur in Japan: Das Kollektiv steht über allem
- FAQ: Häufige Fragen und Antworten
Das Wichtigste im Überblick
Gruppenharmonie, Konfliktvermeidung und indirekte Kommunikation stehen über individuellen Interessen und offener Kritik. Gleichzeitig sorgen Fachkräftemangel und gesellschaftlicher Wandel in Japan dafür, dass moderne Arbeitszeitmodelle, Gesundheitsprävention und Work-Life-Balance zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Charakteristika der japanischen Arbeitskultur
Die Arbeitskultur Japans unterscheidet sich in vielen Dingen von der deutschen. Auch wenn es in den vergangenen Jahren Bestrebungen gab, die Arbeitswelt zu modernisieren und die Bedingungen für die Beschäftigten zu verbessern, haben diverse Charakteristika seit Jahrzehnten Bestand. Dazu gehören:
- Stark ausgeprägte Hierarchien und großer Respekt vor älteren Menschen
- Generell längere Arbeitszeiten inklusive Überstunden und wenig Urlaub
- Deutlich stärkere Gruppendynamik und Bindung an den Arbeitgeber
- Indirekte Kommunikation und Feedbackkultur
- Ansicht von Fehlern als Schande
Grundsätzlich sind Harmonie und Konfliktvermeidung wichtiger als das Durchsetzen individueller Ziele, eine Ellenbogenmentalität ist den Japaner:innen fremd. Im Vergleich zu Deutschland sind die Arbeitsabläufe oft strukturierter, was einerseits hohe Zuverlässigkeit zur Folge hat, andererseits aber wenig Flexibilität zulässt.
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Hierarchien und Respekt vor dem Alter
Die traditionelle japanische Arbeitskultur ist von steilen Hierarchien und klassischen Führungsstilen geprägt. Entscheidungen von Vorgesetzten werden nicht infrage gestellt, sondern umgesetzt. Es gilt das Senioritätsprinzip, wonach das Alter und die Dauer der Betriebszugehörigkeit oft wichtiger sind als die Kompetenz.
In vielen Firmen kümmern sich zudem Mentor:innen um jüngere Angestellte, diesen wird höchster Respekt und Gehorsam entgegengebracht. Formelle Anrede und Höflichkeitsformen sind im täglichen Umgang mit höher gestellten Kolleg:innen ohnehin essenziell in Japan.
Auch Gehaltserhöhungen und Beförderungen gibt es traditionell eher aufgrund der absolvierten Dienstjahre in einem Unternehmen und nicht aufgrund der erbrachten Leistung. Diese Praxis verstärkt die Verbundenheit zum Arbeitgeber, da sich Mitarbeitende, die zu einem anderen Unternehmen wechseln, dort als Neuling wahrscheinlich ein niedrigeres Gehalt bekommen.
Überstunden und Urlaubsverzicht
Die gesetzliche Arbeitszeit in Japan liegt bei 40 Stunden pro Woche, acht Stunden am Tag plus eine Stunde Pause, also vergleichbar mit der Situation in Deutschland. Doch in zahlreichen Unternehmen gehört es zum guten Ton, deutlich länger zu arbeiten. Zehn bis zwölf Stunden täglich sind für viele Beschäftigte keine Seltenheit. Dazu kommen oft längere Arbeitswege.
Bezahlte Krankentage sind bei japanischen Arbeitgebern die Ausnahme, zudem haben Japaner:innen deutlich weniger Urlaubstage als deutsche Arbeitnehmer: je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit zwischen 10 und 20 Tagen. Dazu kommen 16 gesetzliche Feiertage, an denen die Arbeit im Regelfall ruht.
Allerdings schöpfen viele Beschäftigte ihren Urlaubsanspruch nicht vollends aus, etwa aus Loyalität zum Arbeitgeber, um Mehrbelastung für die Kolleg:innen zu vermeiden oder um Chancen auf eine Beförderung zu erhöhen.
Aufgrund dieser hohen Belastung gibt es in Japan ein Wort für „Tod durch Überarbeitung“: Karoshi. Die extremen Arbeitszeiten, sozialer Druck, zu wenig Schlaf und fehlende Erholung können beispielsweise zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen.
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Gruppenharmonie und persönliche Interessen
In der japanischen Arbeitswelt werden persönliche Interessen oft zurückgestellt, um die Harmonie des Teams nicht zu gefährden. Die Bedürfnisse der Gruppe stehen oft auch für Führungskräfte im Mittelpunkt. Von den Mitarbeitenden wird erwartet, einen Konsens zu erreichen und sich zu arrangieren, um eine harmonische Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens aufrechtzuerhalten.
Diesen Teamspirit pflegen Angestellte auch nach Feierabend deutlich öfter als in Deutschland. Wird unter Kolleg:innen ein Dinner oder ein Kneipenbesuch arrangiert, sind solche Events für die meisten Beschäftigten gesellschaftliche Verpflichtungen, denen sie nicht fernbleiben. Es wäre für viele Japaner:innen ein Worst-Case-Szenario, von der Gruppe isoliert zu werden.
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Kommunikation und Fehlerkultur
In Japan wird viel indirekter kommuniziert als in Deutschland – vor allem, wenn es um Fehler und Schuldzuweisungen geht. Bei begangenen Fehlern steht nicht die Problemlösung an erster Stelle, sondern das Wahren des Gesichts.
Aufgrund oft tief empfundener Scham sind öffentliche Eingeständnisse vergleichsweise selten. Da oft Führungskräfte für Fehler des Teams einstehen, empfinden die Betroffenen ihre Fehler nicht nur als persönliche Schmach, sondern als Blamage für das gesamte Team.
Und auch unabhängig von Fehlern läuft die Kommunikation lange nicht so direkt und sachlich ab wie in deutschen Firmen. Konfliktvermeidung und Höflichkeit stehen über allem, insofern ist es wichtig, zwischen den Zeilen lesen zu können, um den wahren Kontext zu verstehen. Ein klares Nein wird selten formuliert, auch wenn es so gemeint ist.
Aktuelle Reformen und Trends in Japans Arbeitswelt
Die traditionelle japanische Arbeitskultur ist schon lange nicht mehr unantastbar, die Widerstände aus der jüngeren Bevölkerung nehmen zu. Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen wurden politische Regelungen wie die Arbeitszeitregulierung eingeführt: Seit 2019 gilt eine Maximalgrenze von 45 Überstunden im Monat mit vorübergehenden Ausnahmen von bis zu 100 Überstunden.
Die Regel wurde eingeführt, um die derzeitigen Erwerbstätigen zu entlasten und Jobs für Hausfrauen und Teilzeitkräfte attraktiver zu machen. Sogar die 4-Tage-Woche wurde bei einigen Firmen eingeführt, bei vielen mit durchweg positiven Ergebnissen.
Ende 2025 hat Japans neue Regierungschefin Sanae Takaichi allerdings eine Lockerung der Arbeitszeitregulierung gefordert, solange Beschäftigte aufgrund der Mehrarbeit keinen gesundheitlichen Schaden erleiden. Takaichi selbst hält von Work-Life-Balance recht wenig: Sie schlafe zwei bis vier Stunden die Nacht, den Rest der Zeit arbeite sie.
Generell wächst jedoch das Bewusstsein für die Gesundheit der Beschäftigten. Unternehmen mit sehr traditionellen Strukturen haben oft Probleme, geeignetes Personal zu finden.
Der Fachkräftemangel in Japan ist stark ausgeprägt, was auch an der seit Jahren niedrigen Geburtenrate liegt. Geregelte Arbeitszeiten, die eine Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf ermöglichen, können dazu beitragen, die Geburtenrate zu erhöhen.
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Die Arbeitskultur in Japan: Das Kollektiv steht über allem
Die japanische Arbeitskultur ist stark kollektivistisch geprägt, wobei die Harmonie in der Gruppe und der Respekt vor strengen Hierarchien über den individuellen Interessen stehen.
Loyalität zum Unternehmen und eine enorme Leistungsbereitschaft, die sich oft in sehr langen Arbeitszeiten und geringer Trennung zwischen Berufs- und Privatleben widerspiegelt, gelten als zentrale Tugenden in Japan. Eine ausgeprägte formelle Höflichkeit bestimmen die täglichen Arbeitsabläufe und Geschäftsbeziehungen.
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