Besucher vor der Tempelanlage Abu Simbel mit in den Felsen geschlagenen Skulpturen
Die Tempel von Abu Simbel wurden in den 1960er-Jahren von der UNESCO verlegt, um sie als Weltkulturerbe zu schützen. © Jose A. Bernat Bacete/Getty Images
Nationalpark

UNESCO-Welterbe: Spannende Facts und die schönsten Stätten

Ägypten, 1960. Der Bau des Assuan-Staudamms lässt den Pegel des Nils stark steigen, uralten Tempeln droht die Überflutung. Die UNESCO lässt die Tempel abtragen und in sicherer Entfernung wieder aufbauen. Diese Hilfsaktion von rund 50 Ländern gilt als Geburtsstunde der UNESCO-Welterbestätten. Welche davon besonders beeindrucken, liest du hier.

Gemeinsam die Schätze der Menschheit schützen

Was in Ägypten als internationale Kampagne startet, erhält zwölf Jahre später einen offiziellen Rahmen. Am 15. November 1972 verabschieden die Mitgliedsstaaten der UNESCO die Welterbekonvention. Ziel des Übereinkommens ist es, die Vielfalt des kulturellen Erbes aller Menschen und den Reichtum des Naturerbes auf allen Kontinenten zu zeigen und für nachfolgende Generationen zu bewahren.

Seither haben sich 194 Staaten zur Welterbekonvention bekannt und damit bereit erklärt, Natur- und Kulturgüter von herausragendem universellem Wert als Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit zu schützen und zu erhalten.

Jährlich setzt sich das Welterbekomitee zusammen und entscheidet, ob und welche neuen Stätten in die Welterbeliste aufgenommen werden. Aktuell listet die UNESCO 1.199 Welterbestätten weltweit in 168 Ländern, davon 52 in Deutschland.

Gerät ein Welterbe in Gefahr, unternehmen die Beteiligten gemeinsame und zügige Anstrengungen zu dessen Rettung.

Was ist die UNESCO?

Die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, kurz: UNESCO, ist eine internationale Organisation, die sich die Pflege und Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Fahne geschrieben hat. Aktuell (Stand dieser und weiterer Angaben im Text: Juni 2024) hat die UNESCO 194 Mitgliedsstaaten und ihren Sitz in Paris.

Kultur-, Naturerbe und immaterielles Kulturerbe: Der Unterschied

Allgemein teilen sich die Welterbestätten der UNESCO in diese Gruppen:

  • Weltkulturerbe, das herausragende Baudenkmäler und Stadtensembles umfasst
  • Weltnaturerbe, zu dem einzigartige Naturgebiete und Ökosysteme gehören
  • Stätten, die sowohl Kultur- als auch dem Naturerbe angehören

Kultur- und Naturerbe sind in der Regel an einen bestimmten Ort gebunden. Als immaterielles Kulturerbe hingegen, das ebenfalls zum UNESCO-Welterbe zählt, werden vor allem kulturtypische Bräuche, Techniken und Riten verstanden. Dazu gehören:

  • Mündliche Traditionen und Ausdrucksformen, etwa Kabary, die bildreiche Redekunst Madagaskars, oder die Pfeifsprache El Silbo auf der Kanarischen Insel La Gomera
  • Darstellende Künste wie Musik, Tanz und Theater, zum Beispiel Reggae in Jamaika, Tango aus Argentinien oder der traditionelle Fado Portugals
  • Gesellschaftliche Traditionen, Rituale und Feste wie die ostfriesische Teekultur, die türkische Kaffeekultur, Saunakultur in Finnland, die Basler Fasnacht oder Yoga in Indien
  • Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur, etwa das alpine Bergsteigen oder die Suche nach Trüffeln in Italien
  • Traditionelle Handwerkstechniken, beispielsweise das Uhrmacherhandwerk in Deutschland oder die Baguetteherstellung in Frankreich
Eine Pfeifenorgel in einem Innenraum
Auch die Orgelbaukunst in Deutschland zählt seit 2017 zum von der UNESCO anerkannten immateriellen Kulturerbe. © Herzstaub/iStock

Wohin verreisen die Deutschen?

41 Prozent der Deutschen verreisen ins europäische Ausland. 29 Prozent macht Urlaub in Deutschland. Nur zwölf Prozent zieht es am häufigsten an Destinationen außerhalb Europas. Zu diesen Ergebnissen kommt eine von American Express beauftragte Umfrage, durchgeführt von Statista.

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Pyramiden von Gizeh: Letztes erhaltendes Weltwunder

Die mythischen Pyramiden von Gizeh sind als einzig erhaltenes der sieben antiken Weltwunder prädestiniert fürs UNESCO-Weltkulturerbe. Cheops-, Chephren- und die kleinere Mykerinospyramide sind nach den Pharaonen benannt, denen sie als Grabstätten dienten. Das Alter der drei monumentalen Bauwerke sowie der legendären Sphinx schätzen Forschende auf 4.500 Jahre.

Nice to know: Die Pyramiden von Gizeh sind derart gigantisch, dass sie vom Weltraum aus zu sehen sind. Aus mehr als 400 Kilometern Höhe nahm die Internationale Raumstation ISS Bilder auf.

Gefährdetes Welterbe auf Roter Liste

Auf ihrer Roten Liste des gefährdeten Welterbes hebt die UNESCO bedrohte Welterbestätten hervor, die besonderen Schutz brauchen. Dort aufgeführt ist beispielsweise der Everglades-Nationalpark, den die UNESCO wegen zunehmender Umweltverschmutzung und Eingriffe in den Wasserhaushalt bedroht sieht.

 

Der Iguazu-Nationalpark mit dem Iguazu-Wasserfall galt zeitweise als gefährdet, weil Anwohner:innen eine bei der Errichtung des Parks geschlossene Straße wiedereröffneten. Als Bundesgerichte die erneute Schließung anordneten, wurde der Park wieder von der Roten Liste gestrichen.

Alhambra von Granada: Märchenhafte maurische Baukunst

Vor den Gipfeln der Sierra Nevada in Andalusien erhebt sie sich seit dem 13. Jahrhundert beeindruckend: die Festung Alhambra in Granada. Zum Ensemble des Gebäudes gehören die Nasridenpaläste, der Generalife und der Alcazaba, deren Wände und Decken mit exquisit gestalteten Arabesken und Mosaiken bedeckt sind. Im Innenhof spiegeln sich reich verzierte Torbögen in Wasserbecken.

Nice to know: Die Alhambra ist das beeindruckendste Zeugnis maurischer Baukunst in Europa und wurde 1984 auf die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Festungskomplex der Alhambra im maurischen Baustil auf einem Berg
Die märchenhafte Alhambra ist ein faszinierendes Zeugnis arabischer Baukunst in der westlichen Welt. © Wirestock/iStock

Böhmisches Bäderdreieck: Ein Prost auf die Gesundheit

Die drei tschechischen Kurorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad bilden das Böhmische Bäderdreieck – die Region bietet die höchste Konzentration von Mineralquellen weltweit. Die offenbar heilsamen Kräfte des Wassers wissen Erholungssuchende seit Jahrhunderten zu schätzen, darunter Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe, Frédéric Chopin und der russische Zar Peter der Große.

Elegante Kurhäuser und Kolonnaden, herrschaftliche Parks und niveauvolle Kulturveranstaltungen kennzeichnen die Orte bis heute, die seit 2021 auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste stehen.

Nice to know: Das Böhmische Bäderdreieck ist auch für ein Heilwasser der anderen Art bekannt. Der Apotheker Josef Vitus Becher mixte im 19. Jahrhundert in Karlsbad aus Kräutern und Gewürzen einen Magenbitter, der heute in Tschechien ein als Becherovka bekannter beliebter Schnaps ist.

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Architektur von Frank Lloyd Wright: Pionierwerke der Baukunst

Mit seinen Bauwerken läutete Architekt Frank Lloyd Wright im 19. Jahrhundert in den USA eine neue Ära der Baukunst ein. Er entwickelte einen an die Natur angelehnten Stil, der heute als organische Architektur bekannt ist. Nach Wrights Philosophie sollten sich Häuser wie lebendige Organismen stimmig in die Umgebung einfügen.

So entstanden unter anderem die faszinierende Villa Fallingwater – ein Haus über einem Wasserfall – und als sein wohl berühmtestes Gebäude das Guggenheim Museum in New York, die mit sechs weiteren von ihm erbauten Architekturwerken seit 2019 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.

Nice to know: Die Villa Fallingwater von Frank Lloyd Wrights gibt es als Lego-Edition zum Nachbauen.

Eine mehrstöckige, über einen Wasserfall gebaute Villa in einem Waldgebiet
Die Villa Fallingwater ist ein architektonisches Meisterwerk der Moderne. © Richard T. Nowitz/Getty Images

Historisches Kyoto: Formvollendete Architektur und Gartenkunst

Die Kaiserstadt Kyoto gilt als kulturelles Herz Japans. In und um die Metropole gibt es insgesamt 17 UNESCO-Welterbestätten zu entdecken: 13 buddhistische Tempel, drei Shinto-Schreine sowie die Burg Nijo. Als sogenanntes Historisches Kyōto repräsentieren diese einzigartigen Orte und ihre Gebäude die Entwicklung der japanischen Architektur und Gartenkunst.

Nice to know: Reist du im Frühjahr nach Kyoto, kannst du dich nicht nur an den UNESCO-Welterbestätten und Restaurants erfreuen, sondern auch am japanischen Kirschblütenfest Hanami.

Zeche Zollverein: Eiffelturm des Ruhrgebiets

Was in Paris der Stahlturm des Ingenieurstars Gustave Eiffel ist, ist im Ruhrgebiet die Zeche Zollverein, das riesige Doppelbock-Fördergerüst von Schacht XII. Zwar ist das Gerüst mit gerade mal 55 Metern deutlich kleiner als sein französischer Bruder, dafür ragt es 1.049 Meter in die Tiefe.

Zusammen mit den weiteren Gebäuden der ehemals weltgrößten Steinkohlezeche der Welt ist es für die UNESCO „Sinnbild einer bedeutenden Wirtschaftsepoche und als Architekturdenkmal Ausdruck der Formsprache des Bauhauses“. 2001 wurde Zeche Zollverein in die Weltkulturerbeliste aufgenommen.

Nice to know: Zum Eingang des zur Zeche gehörenden Museums führt Deutschlands längste freistehende Rolltreppe: 250 Stufen und mehr als 58 Meter lang.

Luftaufnahme des Industriekomplexes Zeche Zollverein mit Fördergerüst im Vordergrund
Der Industriekomplex Zeche Zollverein ist eine interessante Sehenswürdigkeit im Ruhrgebiet, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. © Jochen Tack/Getty Images

UNESCO-Trail: Schottische Verbindung von 13 Welterbestätten

Neben schottischen Kilts, exzellentem Whisky und Dudelsäcken findest du in Schottland atemberaubende Landschaften, beeindruckende Bauwerke und kreative Städte. 13 der schönsten und bedeutsamsten schottischen Orte hat die UNESCO ausgezeichnet und zum UNESCO-Trail zusammengefasst, den du wunderbar bei einem Roadtrip durch Schottland erkunden kannst.

Nice to know: Die wegen ihrer kontrastreichen historischen und modernen Architektur zum Weltkulturerbe gehörende schottische Hauptstadt Edinburgh kannst du bei einer Untergrundführung erkunden.

Wann die UNESCO Welterbetitel streicht

Die UNESCO erkennt eingetragenen Welterbestätten den Titel in der Regel nur wieder ab, wenn Meinungsverschiedenheiten mit dem Welterbekomitee unüberbrückbar scheinen oder der ursprüngliche Charakter der Stätten verschwand. Ein Beispiel ist die historische Hafenpromenade von Liverpool, die laut UNESCO aufgrund baulicher Entwicklungen nicht mehr den Kriterien entspricht, wegen derer sie einst den Welterbestatus erhielt.

Yellowstone: Ältester Nationalpark der Welt

Der Yellowstone-Nationalpark ist mit einer Fläche von fast 9.000 Quadratkilometern der größte Nationalpark Nordamerikas sowie der älteste Nationalpark der Welt.

In dem geschützten Yellowstone-Gebiet findest du brodelnde Geysire, geothermale Quellen und den namensgebenden Supervulkan Yellowstone. Zudem prägen gewaltige Wasserfälle und Canyons das Bild sowie eine einmalige Flora und Fauna mit Bisons, Bären und einigen endemischen Arten wie die lila und weiß blühende Yellowstone-Sandverbene.

Nice to know: Der Yellowstone Park wurde als eine der ersten Stätten als Weltnaturerbe ausgezeichnet: 1978 setzte die UNESCO ihn auf die Liste.

Mehrere Bisons grasen an einem Flussufer vor Bergpanorama
Der Yellowstone-Nationalpark ist ein Landschaftswunder und Rückzugsort für seltene Tierarten. © Manel Vinuesa/iStock 2023

Serengeti in Tansania: Eines der letzten intakten Wildnisgebiete

Der Kontrast zwischen staubiger Savanne und wild bewachsenen Ebenen, Flüssen und Wäldern zeichnet die Landschaft der ostafrikanischen Serengeti aus. Um die unvergleichliche Natur vor Raubbau und Wilderei zu bewahren, wurden Teile bereits 1940 unter Schutz gestellt.

1951 gründete die britische Mandatsverwaltung den Serengeti-Nationalpark, der seit 1981 UNESCO-Weltnaturerbe ist. Das Areal gilt als eines der letzten intakten Wildnisgebiete der Erde und ist Heimat vieler typischer afrikanischer Großtiere, darunter die sogenannten Big Five.

Nice to know: Der Begriff Serengeti leitet sich aus der Sprache der Massai ab, deren Heimat sie ist: esirinket bedeutet endloses Land oder endlose Ebene.

Halong-Bucht: Geheimnisvolle Schönheit in Vietnam

Der Sage nach soll eine Drachenfamilie Jadeperlen ins smaragdgrüne Wasser geworfen haben, die sich in Felsen verwandelten. Seither ragen in der Halong-Bucht in Vietnam etwa 2.000 große und kleine Kalksteininseln empor.

Die Bucht im äußersten Nordosten des Landes zählt zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Vietnams und zu den sieben Weltwundern der Natur. 1994 wurde die mythische Meereslandschaft zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.

Nice to know: Am authentischsten entdecken lässt sich die fantastische Bucht auf eigene Faust per Kajak oder per Tour in einer Dschunke, dem typischen vietnamesischen Holzsegelschiff.

Drei traditionelle Dschunken segeln in der Halong-Bucht
Die Halong-Bucht in Vietnam wurde wegen ihrer einzigartigen Schönheit zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt. © 8Creative.vn/Getty Images

UNESCO-Welterbestätten machen Geschichte der Erde erlebbar

Mehr als 1.500 Stätten stehen zurzeit auf der Welterbeliste der UNESCO, zudem mehr als 600 kulturelle Bräuche, die als immaterielles Kulturerbe zählen. Diese zu besichtigen und zu erleben, lohnt sich - in Deutschland und in vielen anderen Ländern.

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FAQ: Häufige Fragen und Antworten zum UNESCO-Welterbe

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