Die Grünen Sterne des Guide Michelin: Was sie waren und was kommt

Alles Wichtige auf einen Blick
Der Grüne Stern des Guide Michelin zeichnete von 2020 bis 2025 Restaurants aus, die konsequent nachhaltig wirtschafteten – etwa durch regionale und saisonale Produkte, kurze Lieferketten, Energieeinsparung und Zero-Waste-Konzepte. 2025 trugen in Deutschland 80 Restaurants den Grünen Stern.
Ab Herbst 2025 wurde die Auszeichnung zunächst neu interpretiert: Sie diente eher als Ermutigung für nachhaltige Gastronomie und war auf der Website weniger prominent sichtbar. Im Mai 2026 machte der Guide Michelin dann den entscheidenden Schritt: Der Grüne Stern wurde vollständig abgeschafft.
An seine Stelle tritt das neue redaktionelle Konzept „Mindful Voices“. Trotz seines Endes steht der Grüne Stern exemplarisch dafür, dass Nachhaltigkeit in der Spitzengastronomie ernst genommen wird – und ernst genommen werden sollte.
Als Feinschmecker:in kennst du bestimmt den Guide Michelin, den renommierten Restaurantführer in Deutschland, ähnlich wie der Gault&Millau. Lokale, die einen oder mehrere Sterne verliehen bekamen, durften sich zur Fine Cuisine des Landes zählen.
Im Jahr 2020 führte der Guide Michelin eine neue Auszeichnung ein: den Grünen Stern, der jährlich aufs Neue verliehen wurde. Im Jahr 2025 tragen insgesamt 80 Restaurants in Deutschland diese Dekoration, 14 mehr als im Jahr zuvor.
Die Auszeichnung würdigte nicht die kulinarische Exzellenz, sondern fokussierte sich vielmehr auf nachhaltige Betriebsführung. Den Auszeichnungskriterien zufolge sollten die Gastronom:innen sich der Bedeutung einer umweltschonenden Betriebsführung und eines respektvollen Umgangs mit der Natur bewusst sein und entsprechende Initiativen in ihren Restaurants konsequent umsetzen.
Die Tester:innen machten dies an konkreten Maßnahmen fest. Dazu gehörten:
- Verwendung regionaler und saisonaler Produkte
- Berücksichtigung biologisch-ökologischer Aspekte
- Vermeidung langer Transportwege
- Artgerechte Haltung der verarbeiteten Tiere
- Energieeinsparung und Müllvermeidung
- Sensibilisierung beziehungsweise Schulung der Mitarbeiter:innen zum Thema Nachhaltigkeit
- Transparenz über Herkunft und Verarbeitung der Produkte gegenüber Gäst:innen
- Eigener Anbau in Gärten oder Gewächshäusern
- Kreative Zero-Waste-Konzepte und geschlossene Kreisläufe
Dabei durfte natürlich auch der Genuss nicht zu kurz kommen: Schmeckte das Essen den Tester:innen nicht, wurde kein Grüner Stern verliehen. Eine Grundvoraussetzung blieb also die hohe kulinarische Qualität. Der Grüne Stern war immer eine Ergänzung, nie ein Ersatz für kulinarische Exzellenz.
Kritik am Grünen Stern
Da die Tester:innen des Guide Michelin bei ihrer Bewertung nicht immer sehr transparent vorgingen, lautete eine Kritik an der Auszeichnung, dass sich nicht genau sagen ließ, wie nachhaltig ein Betrieb wirklich arbeitete. Das sogenannte Greenwashing könnte die Bewertenden geblendet haben.
Im Herbst 2025 entschied sich der Guide Michelin dazu, den Grünen Stern neu zu interpretieren: Er sollte keine Bewertung mehr sein, sondern eher als Ermutigung für nachhaltige Gastronomie verstanden werden. Das Symbol des Grünen Sterns wurde deshalb auf der Webseite des Guide Michelin nicht mehr prominent angezeigt und war weltweit nicht mehr einheitlich recherchierbar.
Im Mai 2026 folgte dann die endgültige Entscheidung: Der Guide Michelin gab bekannt, den Grünen Stern vollständig einzustellen. Mit dem neuen redaktionellen Konzept „Mindful Voices“ stellt der Guide Michelin seine Nachhaltigkeitskommunikation grundlegend neu auf. Statt Restaurants zu kennzeichnen, rückt das Format nun Menschen ins Rampenlicht: Köch:innen, Hoteliers und Weinproduzent:innen, die durch ihr Engagement neue Wege in der Gastronomie, Hotellerie und im Weinbau beschreiten.
Das Konzept hatte sein Debüt am 1. Juni 2026 bei der Guide-Michelin-Zeremonie
für die nordischen Länder in Kopenhagen und wurde auch bei der
Guide-Michelin-Ceremony für Deutschland am 23. Juni 2026 in Frankfurt
vorgestellt. Es startet zunächst auf Europaebene in der Gastronomie und
wird danach weltweit sowie auf Hotellerie und Weinbau ausgeweitet.
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Mehrere deutsche Restaurants konnten nicht nur mit dem Grünen Stern aufwarten, sondern wurden darüber hinaus mit einem oder mehreren klassischen Michelin-Sternen bedacht:
- Sternerestaurants in Hamburg: Das Zeik (1 Michelin-Stern) und das 100/200 (2 Sterne)
- Berliner Sterneküche: Das Rutz (3 Michelin-Sterne), das Horváth (2 Sterne) und das Nobelhart & Schmutzig (1 Stern)
- Frankfurter Nobelrestaurants: Das Seven Swans (1 Stern)
- Sternerestaurants in München: Das 1804 Hirschau (1 Michelin-Stern)
- Düsseldorf: Das Zwanzig23 (1 Michelin-Stern), das zu einem der Sternerestaurants in NRW gehört, das sowohl einen klassischen Michelin-Stern innehat und mit einem Grünen Stern dekoriert war.
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- Zum Falken, Adelshofen
- Bonvivant, Berlin
- Drexlers, Freiburg im Breisgau
- Hawara, Freiburg im Breisgau
- GLORIE, Hamburg
- Heimatjuwel, Hamburg
- Klinker, Hamburg
- Goldene Sonne, Neuenstein
- Wilde Klosterküche, Neuzelle
- Raro im Mühlenhof, Schriesheim
- Baron.ess, Sonderhofen
- Gasthaus Schwanen, Stühlingen
- June, Übersee
- AURA by Alexander Herrmann & Tobias Bätz, Wirsberg
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Bib-Gourmand-Award: Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis
Eine weitere, bei den Leser:innen sehr beliebte Auszeichnung des Guide Michelin ist der Bib Gourmand. Dieser zeichnet Lokale aus, die ohne viel Schnickschnack tolles Essen zu moderaten Preisen zaubern.
In der Selektion des Jahres 2025 wurden 15 neue Adressen mit dem Bib Gourmand ausgezeichnet. Deutschland zählt demnach aktuell 156 Betriebe mit dieser Auszeichnung. Der Name Bib Gourmand leitet sich vom bekannten Michelin-Männchen, dem Bibendum ab.
Auch wenn der Grüne Stern des Guide Michelin nun Geschichte ist: Umweltaspekte werden in der Restaurantwelt immer wichtiger – und das unabhängig von Auszeichnungen. Der Ansatz, den der Grüne Stern verkörperte, bleibt relevant: Regionale Produkte, kurze Lieferketten, Zero-Waste-Konzepte und ein bewusster Umgang mit Ressourcen sind längst kein Nischenthema mehr, sondern Maßstab einer verantwortungsbewussten Gastronomie.
Auch in anderen Branchen wächst die Bedeutung. So gibt es mehr und mehr Hotels mit nachhaltiger Konzepte, etwa bei Hotels mit grünem Konzept oder im Weinbau, den der Guide Michelin mit „Mindful Voices“ ebenfalls in den Fokus rücken will.
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Was war der Grüne Stern des Guide Michelin?Restaurants wurden von 2020 bis 2025 mit dem Grünen Stern prämiert, wenn sie sich durch nachhaltiges Engagement und eine geschmacklich hervorragende Küche auszeichneten. Seit 2026 gibt es die Auszeichnung nicht mehr; sie wurde durch das neue redaktionelle Konzept „Mindful Voices“ ersetzt.+
Brauchte ein Restaurant einen Michelin-Stern, um den Grünen Stern zu bekommen?Nein. Der Grüne Stern konnte sowohl allein als auch zusätzlich zu den klassischen Sternen oder anderen Auszeichnungen vergeben werden.+
Nach welchen Kriterien wurde der Grüne Stern vergeben?Bei der Vergabe ging es um eine konsequent nachhaltige Bewirtschaftung des Restaurants, etwa durch regionale und saisonale Produkte, kurze Lieferketten, Energieeinsparung und Zero-Waste-Konzepte.+
Was ersetzt den Grünen Stern?Das neue redaktionelle Konzept „Mindful Voices“ rückt statt Restaurants nun Persönlichkeiten in den Mittelpunkt – Menschen aus Gastronomie, Hotellerie und Weinbau, die durch ihr Engagement neue Wege beschreiten.






