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Die teuersten Weine der Welt: Rot müssen sie sein – und aus Frankreich

Zwei Hände klirren Rotweingläser in einem Weinberg bei Sonnenuntergang
Redaktion AMEXcited
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Wein ist wohl der am häufigsten besungene Trank – vor allem der rote: rot wie die Liebe, wie das Blut, die Stoffe, aus denen die großen Geschichten sind. Sogar die griechischen Götter hatten mit Dionysos einen Sommelier auf dem Olymp. Für viele Menschen ist Wein ein Geschenk des Himmels. Er löst die Zungen der Schweigsamen, hilft den Traurigen zu vergessen und ist geschmackvoller Begleiter ob zum Käse, Braten oder zu einem guten Buch. Und: Er ist in allen Preislagen zu haben. Die kostbarsten Tropfen sind eher für den bargeldlosen Zahlungsverkehr geeignet.
  1. 1787 Château Margaux – 197.000 Euro
  2. 1869 Château Lafite – 205.000 Euro
  3. 1947 Château Cheval Blanc – 267.000 Euro
  4. 1945 Château Mouton-Rothschild – 271.000 Euro
  5. 1945 Romanée-Conti – 489.000 Euro
  6. 1811 Château d’Yquem – 85.000 Euro
  7. Frankreich ist noch vorn, andere holen auf – auch Deutschland

1787 Château Margaux – 197.000 Euro

Wäre es nach William Sokolin gegangen, stünde dieser Wein viel weiter oben in dieser Rangliste. Der Weinhändler schätzte den Wert der Flasche, die sich Ende der 1980er-Jahre in seinem Besitz befand, auf 500.000 US-Dollar. Der Spitzentropfen eines der berühmtesten Weingüter der Welt, Château Margaux im Médoc, sollte der fulminante Höhepunkt einer Verkostung des ambitionierten Händlers sein. Schließlich trug das Etikett der Flasche auch die Initialen des ehemaligen US-Präsidenten Thomas Jefferson.

Knauserige Versicherung

Jefferson war Weinliebhaber und hatte die Zeit als US-Botschafter in Frankreich genutzt, um seinen Weinkeller vor allem mit edlen Tropfen aus dem Burgund und Bordeaux zu füllen. Beste Voraussetzungen für eine eindrucksvolle Verkostung. Doch der Abend nahm eine unerwartete Wendung, als ein Kellner die Flasche mit ungeschickter Handbewegung vom Sockel fegte. Sie zerbrach in tausend Stücke. Die Versicherung zahlte lediglich umgerechnet 197.000 Euro. Schwacher Trost für Sokolin: Sein Margaux war damit immerhin zum teuersten Wein der damaligen Zeit avanciert.

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Gut zu wissen: Château Margaux ist eines der fünf Weingüter, die zur höchsten Kategorie des Bordelais gehören, dem Premier Cru.

Weinreben im Anbaugebiet Margaux

Nerdpedia

Der höchste Preis, der bislang für einen jungen deutschen Weißwein bezahlt wurde, liegt bei 14.994 Euro. Er wurde 2020 für einen 2003 Scharzhofberger Riesling Trockenbeerenauslese von Egon Müller aus Wiltingen an der Saar bezahlt.

1869 Château Lafite – 205.000 Euro

„Etwas surreal. Aber es ist ein Einzelstück“, soll Christophe Salin gesagt haben. Soeben war ein Wein des Guts Château Lafite, dem er als CEO vorstand, für 205.000 Euro verkauft worden. Vor der Versteigerung des britischen Auktionshauses Sotheby’s in Hongkong hatten Experten den Wert des 1869er-Bordeaux auf 9.000 Euro taxiert. Die Anwesenden zeigten jedoch kein Interesse an solch bescheidenen Prognosen. Am Ende ersteigerte ein anonymer Bieter aus Asien die Rarität für das 22-Fache des geschätzten Preises und machte ihn damit zum damals teuersten Wein der Welt.

Side Fact: Das Weingut hat eine Sondergenehmigung, abseits der Appellation Pauillac eine kleine Fläche von 4,5 Hektar aus einer Nachbargemeinde mit verschneiden zu dürfen.

In einem Keller gelagerte Weinfässer aus Eichenholz

1947 Château Cheval Blanc – 267.000 Euro

Der Unbekannte konnte sich nicht lange über sein Glück als Besitzer des wertvollsten Weines der Welt freuen. Denn nur Monate später kam eine der seltenen Sechs-Liter-Flaschen eines 1947 Château Cheval Blanc bei einer Versteigerung des Auktionshauses Christie’s – zum Glück nur sprichwörtlich – unter den Hammer. Der Jahrgang 1947 des Cheval Blanc gilt schon lange als der vielleicht beste Wein, der im Bordelais jemals abgefüllt wurde. Cheval Blanc ist ein Weingut aus Saint-Émilion und steht in einer Reihe mit Weingütern wie Margaux und Lafite.

Side Fact: Das Weingut wurde 1998 für 131 Millionen Euro an die heutigen Besitzer, die Familien Arnault und Frère, verkauft.

French Legendary Wine Chateaux

Außer Konkurrenz auf Platz zwei

Die Sechs-Liter-Flasche eines 1992 Screaming Eagle Cabernet aus dem US-amerikanischen Nappa Valley würde eigentlich auf Platz zwei dieser Rangliste stehen. Der Hollywood-Schauspieler Bailey Chase ersteigerte sie 2000 für umgerechnet 438.000 Euro auf einer Wohltätigkeitsauktion. Da auf Charity-Veranstaltungen der guten Sache wegen der Geldbeutel meist deutlich lockerer sitzt als bei normalen Versteigerungen, läuft der kalifornische Cabernet hier außer Konkurrenz.

1945 Château Mouton-Rothschild – 271.000 Euro

Die Familie Rothschild galt lange als der reichste Clan der Welt. 1853 gründete Nathaniel de Rothschild das Weingut in Pauillac bei Bordeaux in der Appellation Haut-Médoc, wo nur die größten Gewächse gezogen werden. Die Geschichte des Guts lässt sich bis weit ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. 1973 erhob der damalige Landwirtschaftsminister und spätere Präsident Frankreichs, Jacques Chirac, Mouton-Rothschild in die Kategorie Premier Cru Classé, quasi die Hall of Fame des Bordeaux, der nur fünf Güter der berühmtesten Weinregionen der Welt angehören.

*Detaillierte Informationen zu Leistungen, insbesondere zu Ausschlüssen, kannst du den jeweiligen Bedingungen des Kartenproduktes entnehmen.

„V“ wie Sieg

Die Rothschild-Gewächse stehen also für höchste Qualität. 2006 versteigerte Christie’s in Los Angeles eine Drei-Liter-Flasche (Jeroboam) aus der Rothschild-Produktion für umgerechnet 271.000 Euro. Das Etikett ziert der Schriftzug „1945 Année de la Victoire“ (1945 – Jahr des Sieges). Eingelassen ist der Slogan in ein großes V für Victoire, wie Sieg. Er bezieht sich auf den Zweiten Weltkrieg, dessen Ende der jüdische Weinproduzent mit der Produktion dieses Weines ein Denkmal setzte.

Nice to know: Das Château Mouton-Rothschild lässt jedes Jahr das Etikett seines neuen Weines von einem berühmten Künstler entwerfen. Darunter befinden sich solch prominente Namen wie Marc Chagall (1970), Pablo Picasso (1973), Andy Warhol (1975), Georg Baselitz (1989) und – zweiter Bildungsweg – Prinz Charles (2004).

Vier Flaschenetiketten von Chateau Mouton Rothschild 1959

1945 Romanée-Conti – 489.000 Euro

Der einzige Burgunder in dieser Liste ist zugleich der bislang teuerste Wein der Welt. 2006 zahlte ein anonymer Bieter aus Hongkong bei einer Auktion von Sotheby’s für eine 0,75-Liter-Flasche 1945 Romanée-Conti fast eine halbe Million Euro. Romanée-Conti ist eine Grand-Cru-Lage an der Côte d’Or in der Bourgogne (Burgund). Dort wird auf 1,81 Hektar ausschließlich Pinot Noir angebaut.

Doppelte Schmach für die Expert:innen

Vor der Bieterrunde hatten Expert:innen den Preis der Flasche auf etwa 28.000 Euro taxiert. Als wollten die Weinliebhaber:innen die Fachleute gleich doppelter Inkompetenz bezichtigen, trieben sie wenige Minuten später den Preis für eine zweite Flasche desselben Weins auf 434.000 Euro. Das Interesse an seltenen Burgundern ist ungebrochen und wird vor allem durch betuchte chinesische Sammler befeuert.

Side Fact: Wer weniger bezahlen will für einen Romanée-Conti, bestellt einfach einen Saint Vivant Grand Cru Imperial von 1995. Die Sechs-Liter-Flasche kostet nur 72.000 Euro.

Gestapelte, verstaubte Rotweinflaschen aus dem Jahre 1935

1811 Château d’Yquem – 85.000 Euro

Der teuerste Weißwein der Welt kommt wieder aus dem Bordelais, ist aber im Gegensatz zu den teuersten Rotweinen geradezu ein Schnäppchen. Das Château d’Yquem wurde im 16. Jahrhundert gebaut und ist bekannt für seine weißen Süßweine, die sogenannten Sauternes, die gern zu Nachspeisen gereicht werden. 85.000 Euro ließ sich der Sommelier Christian Vanneque eine Rarität dieses Weinguts von 1881 kosten. Der Deal ist eingetragen ins Guinnessbuch der Rekorde.

Genuss im engsten Familienkreis

Der Wein sollte die Hauptattraktion von Vanneques Restaurant auf Bali werden. Allerdings wird wohl kein Gast den edlen Tropfen jemals genießen können. Vanneque wollte ihn lieber selbst trinken.

Side Fact: In Jahren, in denen das Wetter nicht mitspielt und entsprechend die Qualität der Trauben nicht hoch genug ist, verzichtet d’Yquem auf die Produktion seines Grand Vins. Das bedeutet einen Ausfall in Millionenhöhe. Das kam bislang neun Mal vor, zuletzt 2012.

Nahaufnahme eines Weinetiketts mit einem gefüllten Glas Weißwein im Vordergrund

Frankreich ist noch vorn, andere holen auf – auch Deutschland

Die teuersten Weine kommen allesamt aus Frankreich. Das hat zum einen mit der Qualität zu tun. Zum anderen ist es die jahrhundertealte Geschichte der Güter aus dem Bordelais und Burgund, die Sammler:innen bei ihrer Kaufentscheidung leitet. Für viele ist Frankreich immer noch das Land der Weine. Aber schon lange haben andere Regionen qualitativ aufgeholt. In Italien und Spanien werden ebenso große Weine produziert wie in den USA, Österreich, Australien und Neuseeland. Auch Deutschland hat köstliche Tropfen zu bieten. Vor allem die Weißweine hierzulande werden von Expert:innen zu den besten der Welt gezählt.

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